Automatenpedia 1990
Teil 5 |
Von Esteka für www.goldserie.de
Goldserie - Erster
Deutscher Verein der Münzspielfreunde
|
Automatengeschichte |
Tradition
Fortschritt basiert immer auf Erfolgen und
Misserfolgen der Vergangenheit. Positive Vergangenheit ist Tradition, die bewusst
bleiben sollte. Hans Kloss, Geschäftsführer von Bally Wulff, greift die
Geschichte der Automatenwirtschaft auf. Den zweiten Teil des Artikels, die
Zukunft, habe ich weggelassen, da mir der Text zu allgemein und spekulativ
wurde. Es wird lange über geburtenschwache Jahrgänge und die 25 Stunden Woche
philosophiert, ohne Bezug zu unserem Hobby. Der erste Teil ist jedoch um so
besser!
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Tradition
und Fortschritt müssen Hand in Hand gehen Hans
Kloß, Geschäftsführer der deutschen und europäischen Bally-Wulff Gruppe,
nimmt in diesem Beitrag zu Chancen und Risiken der Zukunft Stellung. Für ihn
sind Flexibilität, schnelle Informationswege, eine umfassende Marktanalyse,
eine gute Personalführung und ein ausgereiftes Firmenkonzept unverzichtbare
Elemente für den unternehmerischen Erfolg in der Münzspielbranche. Wer eine
aktive Problemsicht- und Bewältigung betreibt, dem werden sich auch die Chancen
des Marktes in den 90er Jahren öffnen. Als
ich vor gut einem Jahr bei einem Interview gefragt wurde, ob die deutsche
Wirtschaft, insbesondere die Automatenbranche in den 90er Jahren einen
Strukturwandel erleben werde, war unsere Welt noch berechenbar. Zumindest
unsere bundesdeutsche. Nichts ließ im Spätsommer 1989 darauf schließen, daß
wir heute angesichts einer denkbaren Wiedervereinigung vorAufgaben stehen,
deren existentiellen Anforderungen jeden Wirtschaftszweig nachhaltig
beeinflussen werden. Rechnet man den ostpolitischen Unwägbarkeiten noch die
für Anfang 1993 beschlossene Liberalisierung des europäischen Binnenmarktes
hinzu, so darf man unterm Strich ganz nüchtern subsumieren, daß nur noch
Schelme Prognosen wagen. Doch
wäre es falsch, den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu warten, was uns
das Schicksal bescheren mag. Ich halte nichts von der Ansicht des irischen
Dramatikers Bernard Shaw, der den Rat gab: „Für mich hat die Zukunft schon
begonnen." Will
man einen Blick in die Zukunft wagen, so empfiehlt sich zunächst einmal eine
ehrliche Bestandsaufnahme der Gegenwart: Unsere
Branche hat, wie das Deutsche Museum im vergangenen Jahr in einer
eindrucksvollen und international viel beachteten Sonderschau dokumentierte,
eine lange Tradition. Eine wechselvolle, wie ich ergänzen möchte, denn
Automaten haben sich trotz ihrer hochtechnologischen Vorreiterrolle immer
der Kritik erwehren müssen. Vor 100 Jahren hielten Puritaner sie für ein
Machwerk des Teufels, im Dritten Reich wurden sie verboten, da man die
Groschen in den Sammelbüchsen für Kanonen und Panzer sehen wollte und heute
sonnen sich missionarisch-emsige Weltverbesserer in dem Glauben, die
Menschheit von einer angeblichen Spielsucht befreien zu müssen. Leider
finden sie dabei den undifferenzierten Beifall von vielen Politikern aller
Parteien-, besonders auf Gemeindeebene. Die Spielhalle ist vielerorts zum
Fanal geworden - der Aufsteller zum missliebigen Unternehmer, den man nur als
Steuerzahler schätzt. In
Anbetracht der politischen Revolutionen im Osten unseres Vaterlandes und der
damit verbundenen Aufgaben bin ich jedoch zuversichtlich, daß die
Automatenbranche sehr bald nicht mehr so konzentriert in der Schusslinie von
Parlamentariern, Medien und Ideologen liegen wird. Die Bandbreite zukünftiger
Ziele läßt kaum Spielraum für Marginalien. Nichts
vormachen dürfen wir uns jedoch bei der steuerlichen Neuregelung, denn die
Bundesregierung wird gerade wegen der anstehenden Konsolidierungen der DDR
jede Möglichkeit zusätzlicher Einnahmen ausschöpfen. Ich fürchte, hier
können wir auf keine Zugeständnisse hoffen. Lassen
Sie uns die Sache realistisch betrachten: Nach einer Periode der Unsicherheit,
ausgelöst durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges, wurde 1953 in
Zusammenarbeit zwischen der Branche und dem Bundeswirtschaftsministerium
die gesetzliche Grundlage für unsere Existenz gelegt. Im Prinzip gilt die
Spielverordnung vom 19. August 1953 auch heute noch. Mit
dieser absolut vorbildlichen und vorausschauenden Gesetzgebung sowie den
Kontrollorganen PTB, Gewerbeämter, Polizeibehörden und Ordnungsämter nimmt
die bundesdeutsche Gesetzgebung bis heute international eine Sonderstellung
ein. Als
Geschäftsführer der deutschen und europäischen Bally-Wulff-Gruppe darf ich mir
dieses Urteil erlauben, da ich seit fast zwei Jahrzehnten die weltweite
Entwicklung multilateral verfolge. So ist mir kein anderes Land bekannt, in
dem die Vorschriften für Geldspielund Unterhaltungsautomaten derart liberal
gehandhabt werden und gesetzlich fundiert festgeschrieben sind. Nehmen wir
die USA. Da gibt es zum Beispiel in einzelnen Staaten ein FlipperVerbot.
Oder denken Sie an die Schweiz mit ihren grotesken Typengenehmigungen für
TV-Spiele und Flipper-Automaten. Ich
darf Ihre Aufmerksamkeit vielleicht kurz auf die geschichtliche Entwicklung
lenken: 1949
kam der erste Nachkriegs-Geschicklichkeitsautomat auf den Markt, und zwei
Jahre später gab es eine neue Richtlinie für die Zulassung von Spielgeräten.
Am 19. August 1953 regelte die Spielverordnung die heute noch gültigen
Eckwerte und am 12. Dezember 1955 legte der Gesetzgeber fest, daß in
Gaststätten, Schank- und Speisewirtschaften, Spielhallen oder Wettannahmestellen
das Aufstellen von zwei Spielgeräten erlaubt ist. Es folgten am 30. Januar
1968 die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes zum Münzspeicher, rund
drei Monate später die Einführung des 20-PfennigSpiels und am 23. Februar
1976 das Ja zur Aufstockung auf 30 Pfennige mit einem Höchstgewinn von 3,00
Mark. Nach dem Fortfall der Platz-Einzelaufstellungsgenehmigung am 12.
Februar 1979 wurde drei Jahre später die 10erSerie in die Spielverordnung
aufgenommen. Am 9. Oktober 1984 entschied das Bundesverwaltungsgericht über
die „Zellteilung" von Spielhallen und am 11. Dezember 1985 in Sachen
Absicherung des Risikospiels und das Aufstellen von 10 Geräten bei einer
Mindest-Quadratmeterzahl von 15 Quadratmeter pro Gerät - ausgelegt auf eine
10jährige Übergangszeit. Soviel
zur Vergangenheit - zur Tradition, von der Sir Winston Churchill einmal
sagte: „Folgten wir nur der Tradition, so würden wir noch immer in Höhlen
leben. Folgten wir nur dem Fortschritt, dann wäre dies bald wieder der
Fall." … |
Motive des Spielers
Für einen Hersteller im
harten Konkurrenzkampf kann es das Quentchen Unterschied zwischen Erfolg und
Misserfolg ausmachen, seinen Markt bestens zu kennen. Und dazu gehört der
Spieler. Was treibt ihn an, warum spielt er? Wovon läßt er sich faszinieren?
Eine Analyse von Michael Gauselmann.
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Michael
Gauselmann: Erste Ansätze für die Erforschung der Grundmotive
des Spielgastes Das
herausragende Branchen Ereignis des vergangenen Jahres, die
Sonderausstellung im Deutschen Museum, München, zum hundertjährigen
Branchenjubiläum, liegt diesen Betrachtungen zugrunde. Der
Titel »Wenn der Groschen fällt« hätte nicht treffender formuliert werden
können. Einerseits wird durch ihn das Thema der Ausstellung, nämlich
»münzbetriebene Automaten« - und nicht die anderen Unterhaltungsautomaten,
die eine viel ältere Vergangenheit haben - klar definiert. So wird dem
interessierten Betrachter schon zu Beginn verdeutlicht, daß das breite Leistungsspektrum
dieser Automaten erst nach Einwurf einer Münze offenbart wird, für die
stellvertretend hier der Groschen gewählt wurde. Andererseits
fordert der Titel als Abwandlung der Redewendung »Na, ist der Groschen
gefallen?« den kritischen Betrachter geradezu auf, seine eigene Meinung oder
auch die veröffentlichte Meinung der letzten Zeit zu hinterfragen. Die
hundertjährige Geschichte der industriellen Fertigung von Münzautomaten zum
Beispiel anhand einzelner Automatengruppen oder anhand von herausragenden
Ereignissen zu reflektieren, soll hier nicht meine Aufgabe sein. Dafür war
die Ausstellung selbst viel besser geeignet. Auch der sehr informative und
optisch reizvolle, die Ausstellung begleitende Katalog, der vom Deutschen
Museum herausgegeben worden ist. Ich
möchte mich vielmehr auf die Grunderkenntnisse konzentrieren, die wir beim
Aufarbeiten der Vergangenheit gewonnen haben.
Zu
allen Zeiten hat der münzbetriebene Automat die Kreativität der Menschen in
starkem Maße herausgefordert. Sowohl die Kreativität der Konstrukteure von
technischen Bauelementen, die Kreativität der Spiele-Entwickler, die
Kreativität seiner Kunden. Und nicht zuletzt auch die Kreativität seiner
Manipulateure. Zu
allen Zeiten hat der münzbetriebene Automat durch sein äußeres Erscheinungsbild
die jeweiligen Modetrends, Baustile, Möbel- und Designrichtungen
reflektiert. Die
Spielinhalte der münzbetriebenen Automaten waren immer wieder ein Abbild
außerordentlicher Ereignisse im Umfeld des Menschen: ·
Zum Beispiel die Boxkampf-Automaten in der Folgezeit nach Erringen
der Weltmeisterschaft durch Max Schmeling. ·
Zum Beispiel die ersten mechanischen Autorenn-Automaten als Folge
des Baues der Berliner Avus oder des Nürburgrings in den dreißiger Jahren. ·
Zum Beispiel die Aufnahme der Begeisterung um den ersten erfolgreichen
Flug des »Sputnik« Ende der fünfziger Jahre in Spielinhalte, ja sogar in
Gestaltungsformen der Automaten selbst. ·
Oder die Flipperscheiben, anhand deren Inhalte wir die Entwicklung der
gesamten Kinofilm-Geschichte nachvollziehen können. Mit
anderen Worten: Der münzbetriebene Automat stellt sich als ganz normaler und
selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft dar, führt kein
eigenwilliges Eigenleben, sondern ist genauso wie alle anderen Angebote
unserer Gesellschaft den jeweiligen Strömungen des Zeitgeistes in all seinen
Facetten unterworfen. Diese
Kernaussagen hat der Ausstellungs-Besucher bestätigt gefunden, wenn er sich
die Auswahl der Exponate in Ruhe angeschaut hat. Was ihm jedoch nicht auf
den ersten Blick erkennbar wurde, sind die heftigen Diskussionen, die
sowohl gestern als auch heute immer wieder um den Münzautomaten geführt
werden. Und dies um so heftiger, je erfolgreicher der münzbetriebene Automat
ist. Ich
meine hier nicht die Diskussion zu Beginn der Automaten-Geschichte um den Automatismus
an sich. Diese ist nicht leidenschaftlicher geführt wor. den als die
Diskussion um viele parallele Errungenschaften des Industriezeitalters wie
zum Beispiel auch um das Automobil. Ich
meine vielmehr die Diskussion um das Spannungsfeld der Unterhaltungsautomaten,
und hier insbesondere der Unterhaltungsautomaten mit Gewinnmöglichkeit auf
all ihren Entwicklungsstufen. Wie nur zu genau bekannt ist, haben wir in den
letzten Jahren wieder einen solchen Höhepunkt der Diskussionen erreicht. Wenn
wir uns auch zu jedem Zeitpunkt dieser Diskussion gestellt haben so vertraten
doch viele von uns die Meinung, daß sie zu Unrecht geführt wurde, bzw. unsere
Branche als Ventil für andere politische und gesellschaftliche Mißstände
herhalten mußte. Wir
sollten jedoch nicht vergessen, daß der Erfolg eines münzbetriebenen
Unterhaltungsautomaten entscheidend davon abhängig ist, ob der Automat in
der Lage ist, von sich aus - denn er ist ja ein Selbstverkäufer - ein Spannungsfeld
bei seinem Kunden aufzubauen. Um
dies zu erreichen, müssen wir die Grundmotive des Spielgastes kennen, die
immer wieder dazu führen, daß er das im Automaten enthaltene Angebot annimmt. Eine
gezielte repräsentative Untersuchung der Motiv-Struktur von Spielgästen
existiert erst in den Ansätzen. Viele Erkenntnisse haben wir jedoch aus den
Untersuchungen rund um das Thema »Spielsucht« erhalten. Unsere
gewonnenen Erkenntnisse hierzu stellen sich wie folgt dar: Eine
erste Motiv-Spannung beim Spiel an Münzautomaten und in diesem Zusammenhang
beim Besuch von Spielstätten besteht darin, eine zweite, eine andere
Wirklichkeit aufsuchen zu wollen. Dabei soll aber zugleich der Stand im
Alltag nicht verlorengehen. Das
heißt: Spieler wollen in ihrem Alltag ihren Mann stehen und für den Alltag Erfolgserlebnisse
sammeln. Der Bezug zum bürgerlichen Alltag soll nicht verlorengehen. Auf der
anderen Seite erlauben Münzspielgeräte und deren Umfeld, Spielstätten zum Beispiel,
das Eintauchen in eine zweite Wirklichkeit, in der man dem Glück und dem
Schicksal in konzentrierter Form begegnet. Neben
dieser Motiv-Spannung gibt es weitere, die ich hier jedoch nicht hervorheben
will. Sie geben nurAufschluß über Verhaltensweisen und Gewohnheiten von
Spielgästen. Die
eben genannte Motiv-Spannung: Stand im Alltag einerseits, die zweite
Wirklichkeit aufsuchen andererseits, ist bestens geeignet als Erklärungsansatz
für die immer wieder aufbrandenden Diskussionen. Denn auch der Nicht-Spieler
hat in unserer leistungsorientierten Industriegesellschaft den Wunsch, im
Alltag seinen Mann zu stehen, für den Alltag Erfolgserlebnisse zu sammeln. Im
Unterschied zum Spieler hat er jedoch Angst, eine zweite Wirklichkeit
aufzusuchen und bekämpft aus dieser Angst heraus mit großer Leidenschaft die
Gruppe der Spielgäste. Da diese je doch für ihn eine anonyme Masse darstellen,
muß quasi als Ersatz der Münzautomat selbst als Angriffsziel herhalten. Dieser
ewige Streit wird unterstützt durch den Staat selbst, der es als sein Monopol
definiert hat, Glücksspiel betreiben zu dürfen. Der Staat selbst will
Glücksbringer sein. So wird in den Unterhaltungsspielen mit Gewinnmöglichkeit
immer wieder Konkurrenz erblickt und Herausforderung empfunden, diese
Konkurrenz zu verhindern. Eine
weitere Unterstützung erhielt und erhält diese Diskussion durch die Kirchen,
deren Privileg es über Jahrhunderte war, der Bevölkerung eine zweite
Wirklichkeit zu bieten, in der die Menschen ihr Schicksal befragen konnten. Doch
zurück zur Geschichte der münzbetriebenen Automaten. Die soeben angerissene,
immer wieder aufkeimende Diskussion spiegelt sich wider in der sehr
umfangreichen Rechtsprechung und in der immer wieder vorgenommenen Änderung
derdieAutomaten reglementierenden Gesetze und Verordnungen. So
gibt es das erste Gerichtsurteil zu einem Gewinnspiel schon zwei Jahre nach
Beginn der industriellen Fertigung von Münzautomaten. Nämlich vom 22. Juni
1896. In diesem Urteil wird der Würfelautomat „Fortuna“ laut Reichsgericht
als Glücksspiel-Automat angesehen und benötigt damit eine behördliche
Aufstellgenehmigung. In
der Folgezeit wurden um einzelne Münzspielgeräte eine Fülle von Prozessen
geführt, die alle die Abgrenzung zum Glücksspiel zum Gegenstand hatten. Im
Gegensatz zu heute mußte der Spielausgang für ein Waren- oder Geldgewinnspiel
ausschließlich von der Geschicklichkeit abhängig sein. Die
Prozeßlawine der Folgejahre gipfelte letztendlich im Jahre 1933 in einer
Änderung der Gewerbeordnung. Sie stellte eine erste Regelung des gewerblichen
Spielrechts dar. Ein Jahr später wurde in dieser Gewerbeordnung verfügt, daß
die Zulassung eines Muster Gerätes bei der Physikalisch-Technischen
Reichsanstalt Voraussetzung für die Aufstellung von Münzspielautomaten sei. Heute
können wir mit Stolz die jetzige Fassung der Gewerbeordnung und der
Spielverordnung als Vorbild für alle Staaten der westlichen Welt hervorheben. Mit
Stolz deshalb, weil sie letztlich ein Gemeinschaftswerk der Gesetzgebung und
der Münzautomatenhersteller ist, welches dem Schutzgedanken des Spielgastes
und der Praktikabilität der Anwender optimal Rechnung trägt. Die
Geschichte der Münzautomaten kann nicht isoliert betrachtet werden, ohne
Bezug zu nehmen auf Ereignisse der Gegenwart. Eines dieser Ereignisse war die
Sonderausstellung »Wenn der Groschen fällt« vergangenes Jahr im Deutschen
Museum, München. Nach Aussagen der Museumsleitung handelte es sich bei
dieser Sonderausstellung um diejenige mit der größten Besucherfrequenz. Das
zeigt, daß in der Öffentlichkeit ein großes Interesse an der Entwicklung
der Münzautomaten besteht. Es zeigt weiterhin, daß die Vorbehalte in der
öffentlichen Meinung gegen Münzautomaten geringer sind als in der
veröffentlichten Meinung. |
Automaten-Museum
Sehr löblich. Ein eigenes Musum für Geldspielautomaten. Nur
ein grosser Hersteller mit Wertschätzung für die Geschichte der eigenen Branche
kann dies durchsetzen. Während NSM-Löwen seine eigene Sammlung später
verschachert und bei Bally Wullf 50 Jahre Firmengeschichte in Schränken
verstauben, nimmt sich die Familie Gauselmann der grossen Aufgabe an. Dass sie
es ernst meinen, beweisen sie mit der Verpflichtung der renomierten Historikern
Frederike Haberkorn (die heute die Marketing-Abteilung leitet) und der Ankauf
eines repräsentativen Gebäudes, der Alten Post in Lübbecke.
Leider klappte aus baulichen und denkmalschutzrechtlichen
Gründen nicht der Bezug der Alten Post, doch auch mit dem wunderschön
eingerichteten Museum auf dem Firmengelände in Lübbecke, das bis heute nach
Voranmeldung besucht werden kann, hat Michael Gauselmann eine grosse Leistung
vollbracht.
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Daß
die IMA für viele Spiele ein erster Testlauf ist, das liegt in der Natur der
Sache. Daß aber ein kleiner Kerl, ganze 33 Millimeter groß und flacher als
ein Groschen, hier seinen ersten Auftritt haben sollte, das wurde lange Zeit
wie ein Geheimnis gehütet. Niemand vermutete die Beobachter hinter den
Kulissen, die nur sehen wollten, wie sich der kleine Bursche so macht. Ob er
sich beliebt machen kann, ob er als Symbol für Spielfreude und Geschicklichkeit
angenommen wird. Der Bajazzo hat auch diesen Test mit Bravour bestanden.
Seit er dem Kugelfangspiel von Jentzsch & Meerz seinen Namen geliehen hat
(ab 1906), schwebte er immer auf der Erfolgswelle. Inzwischen hat die
Unternehmensgruppe Gauselmann sich die Namensrechte gesichert. Der Wechsel
von Leipzig nach Espelkamp scheint ihm gut bekommen zu sein, denn auf der
IMA stand der Bajazzo wahrlich unter einem guten Stern. 28000 von seiner
Sorte haben Mäntel, Jacken und Blusen geziert.
Der
100. Geburtstag des Münzspiels hat die Sinne der Branche für ihre Wurzeln
geschärft. Der Blick zurück hat aber auch Kreativität und Selbstbewußtsein
für die Zukunft freigelegt. Für viele Unternehmer war das moderne,
elektronische Münzspiel lediglich ein Zufallskind des Computerzeitalters.
Die vermutete Geschichtslosigkeit wurde als Mangel empfunden und kratzte am
Berufsbild. Andere Branchen hat man ob ihrer Tradition beneidet und nicht
erkannt, daß das Automatenspiel sogar schon in der Antike die Mächtigen der
Welt erfreut hat. Wie sollte man dies auch erkennen. Kleine Sammler hatten
zwar mit viel Liebe zum Detail wertvolle Münzspiele erhalten. Ein großes
Unternehmen der Branche hat sogar recht früh viel Geld und Arbeit in den
Aufbau einer Sammlung gesteckt, doch die Geschichte des Münzspiels war nie
systematisch aufgearbeitet worden. Dies hatte Michael Gauselmann erkannt und
zum rechten Zeitpunkt die Konsequenzen gezogen.
Viele
Menschen, die beim Begriff Münzspiel allenfalls mit den Schultern zuckten und
die Mundwinkel nach unten zogen, haben seither erfahren, daß es sich lohnt,
sich einmal mit diesem Bereich unserer Freizeit zu beschäftigen. Viele haben
durch die Rückschau zum Bajazzo erkannt, daß auch die heutigen Spiele eine
Kombination von Spielfreude und Geschicklichkeit herausfordern. Immer dann,
wenn zum Münzspiel eine zusätzliche Komponente tritt, wie etwa auch bei den
Sportspielen, hat es eine gute Chance auf objektive Beurteilung.
„Münz" und „Spiel" reichen als Elemente alleine nicht aus, um eine
Freizeitbeschäftigung von breiter Akzeptanz zu vermitteln. Dies hat die
Branche, oder sagen wir, dies haben viele Unternehmer in der Branche erkannt.
Der Trend der Präsentation geht eindeutig in diese Richtung. Gut
präsentieren will sich natürlich auch das Haus Gauselmann mit seinem neuen
Spielemuseum, das Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten Jahres in der
„Alten Post" in Lübbecke eingeweiht werden soll. Seit die Standort Entscheidung
gefallen ist, gibt es viel zu tun. Schon jetzt legen Handwerker das alte
Gemäuer trocken. Wände müssen raus, woanders wiederum rein und auch die
Fassade wird noch viele Arbeitsstunden schlucken. Wenn alles fertig ist,
dann soll auch der Bajazzo am „Merkur-Spielemuseum" seinen Platz haben.
Ja, er soll sogar zur Symbolfigur für über 100 Jahre Münzspieltradition
werden. Anders als beim IMA-Anstecker, der erstrangig ein charmantes Give-away
für Kunden des Hauses sein sollte, wird der Museums-Bajazzo mit seiner
Kugelfangtüte dann den Merkur-Stern aus Espelkamp eingefangen haben. Es
versteht sich von selbst, daß im Museum auch die Geschichte der
Merkur-Münzspiele und die Firmengeschichte ihren Platz haben. Schließlich
ist in Lübbecke während der letzten 15 Jahre die größte Spielgeräteproduktion
der Bundesrepublik entstanden. „Vom Bajazzo bis zum Disc" wird es also
bald in Lübbecke heißen. Man darf gespannt sein! Bajazzo Mechanisches
Geschicklichkeitsspiel mit Gewinnmöglichkeit. Firma Jentzsch & Meerz.
Leipzig 1904. Münzung: 10-40 Pfennige. Bis
Ende der 20er Jahre war der Bajazzo unbestritten das erfolgreichste
Unterhaltungsspielgerät mit Geldgewinnmöglichkeit. Der Automat war vor allem
so beliebt, weil das Konstruktionsprinzip entscheidende Eingriffe in den
Spielablauf ermöglichte. |
Dazu ein Interview
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Spielgeräte-Museum Erste wissenschaftliche Aufarbeitung unserer
Branchen-Historie Über die Museums-Pläne der
Unternehmensgruppe Gauselmann, Hintergründe, aktuellen Stand und Aussichten sprachen
wir mit Michael Gauselmann, der die Idee eingebracht hat und Frederike
Haberbosch, die als Kulturreferentin die Museums Abteilung leitet. Automaten Markt: Ein
geeignetes Gelände, die alte Post in Lübbecke, ist von Ihnen für das geplante
Museum erworben worden. 639 Ausstellungsstücke, eine fantastische Zahl, haben
Sie derzeit im Lager. Dazu den größten Flachwarenbestand, wie
Dokumente-Sammlungen in Museums-Fachsprache bezeichnet werden. Was wollen Sie
mehr. Wann wird Gauselmann-Museum seine Pforten öffnen? Michael Gauselmann: Daß wir
ein Museum eröffnen, steht fest. Welchen Umfang dieses Museum jedoch haben
wird und welchen Ausrichtungsstandard, hängt davon ab, wie die noch ausstehenden
Entscheidungen im Bundesrat ausfallen werden. Erst wenn durch klare
Rahmenbedingungen die Zukunft der Unterhaltungsgerätewirtschaft wieder
berechenbar geworden ist, fällen wir unsere Entscheidung über die Größe des
Museums und den Eröffnungstermin. Automaten Markt: In der
ostwestfälischen Region sind Ihre Museums-Pläne ein immer häufiger
auftretendes Thema in den Medien. Auch die Branche hat hohe Erwartungen. Den
Stellenwert der Museums-Idee in Ihrem eigenen Hause haben Sie deutlich zur
IMA '90 demonstriert. Bajazzi wohin man blickte. Der Bajazzo ist doch durch
Sie zum Symbol für Branchengeschichte geworden. Michael Gauselmann: Was
liegt näher, als die Figur zum Symbol der Branchengeschichte zu machen, die
über mehrere Jahrzehnte selbst Branchengeschichte geschrieben hat. Leider
ist der Bajazzo durch die neue Spielverordnung von 1953 nicht mehr zulässig
gewesen und dadurch in Vergessenheit geraten. Unsere Museums-Aktivitäten
halten wir für hervorragend geeignet, diese beliebte Figur wieder ins Bewußtsein
unserer Branche zu rufen. Damit hier keine Verwässerungen und Mißbräuche
auftreten, haben wir uns den Bajazzo als Warenzeichen schützen lassen. Automaten Markt: Wie ist
das möglich, wo es sich doch um ein Warenzeichen aus der Zeit um die
Jahrhundertwende handelt? Da hat es Ihre Unternehmensgruppe noch nicht
gegeben. Michael Gauselmann: Der
Schutz eines Warenzeichens gilt nur, solange es vom Inhaber der Schutzrechte
wirklich genutzt wird. Das ist beim Bajazzo seit 1933 nicht mehr der Fall.
Da uns die Beliebtheit dieser Figur bewußt war und wir damit rechnen mußten,
daß diese Figur für alle möglichen Branchenaktivitäten herangezogen werden
könnte, haben wir den Schutz des Bajazzo nicht nur auf unsere
Museums-Aktivitäten bezogen, sondern auch auf alle Aktivitäten rund um das
Thema Münzspielgeräte einschließlich Spielstätten. So ist eindeutig
sichergestellt, daß der Bajazzo nicht nur heute, sondern auch in ferner
Zukunft allein für Aktivitäten der Gauselmann - Gruppe stehen wird. Doch in
der Praxis wollen wir den Bajazzo vorerst nur dort einsetzen, wo es um die
Vergangenheit geht: für den Bereich Museum, Wanderausstellungen etc. Für das
Heute und für die Zukunft haben wir ja als bewährtes Glückssymbol den
Merkur-Stern. Automaten Markt: Die Idee, ein
Spielgeräte-Museum zu etablieren, soll von Ihnen ausgegangen sein, Herr
Gauselmann. Was hat Sie dazu motiviert?
Automaten Markt: Wie das? Michael Gauselmann: Mein
Vater hat aus kleinsten Anfängen nicht nur ein Unternehmen mit Weltgeltung geschaffen,
sondern durch unermüdlichen Einsatz auch Branchengeschichte geschrieben.
Eine Leistung, die sich nicht wiederholen lässt. Amerika kann man nur einmal
entdecken. So liegt es nahe, dass ich mich nicht nur auf die Optimierung des
Geschaffenen konzentriere, sondern auch Leistung in solchen Bereichen
erbringe, die mit der Branche in direktem Zusammenhang stehen, aber noch
nicht von der Familie Gauselmann behandelt wurden. Automaten Markt: Was
erwarten Sie von der Resonanz auf Ihre Museums-Aktivitäten? Michael Gauselmann:
Branchenangehörige erleben eine Sicherung des Selbstwertgefühls bei dem
Bewusstsein, daß sie im Beruf nicht wurzellos sind. Die Tradition ist eine
feste Basis. Jeder Mensch braucht eine Herkunft, mit der er sich
identifizieren kann. Ohne Vergangenheit keine Zukunft! Diese Erkenntnis
stammt zwar nicht von mir. Aber ich zitiere sie gern, weil jedermann wissen
soll, dass sich unsere Branche hinter anderen wirklich nicht zu verstecken
braucht.
Michael Gauselmann: Wir
sollten es vermeiden, gegeneinander aufzuwiegen. Die Münzgeräte-Sammlung von
Löwen in Bingen hat meinen größten Respekt. Friederike Haberbosch: Sie
irren sich, wenn Sie glauben, es gäbe ein Konkurrenzverhalten. Im Gegenteil.
Wir arbeiten gut zusammen und ergänzen einander. In Kürze wird zum Beispiel
eine gemeinsame Spielgeräte-Ausstellung im Rüdesheimer Auto- und Technik
Museum von Löwen und uns durchgeführt. Michael Gauselmann:
Tatsächlich wird aber von uns zum ersten mal in der Spielgeräte-Branche
Museums-Arbeit von Grund auf und konsequent geleistet. Wir haben dafür in
unserem Haus eine eigene Abteilung eingerichtet mit kompetenter Besetzung:
Frau Haberbosch und ihre Mitarbeiterin Brigitte Degener-Böning. Dank Studium
von Geschichte und Kultur haben sie die Voraussetzungen, die Hintergründe wissenschaftlich
aufzuarbeiten. Für die Restaurierung der angekauften antiken Geräte haben wir
zwei hervorragend Elektro-Mechaniker von gutem alten Schlag. Automaten Markt: Was heißt
konsequente Museumsarbeit von Grund auf. Was heißt wissenschaftliches Aufarbeiten
der Hintergründe unserer Branchengeschichte? Friederike Haberbosch: Wir
haben zur Beispiel die Daten von über 2.000 Geräten im Computer gespeichert.
Nachlässe, Rechnungen, Lieferscheine, Zulassungsurkunden zurück bis 1885 habe
wir dafür ausgewertet. Als Basis-Lektüre haben wir den »Automaten Mark von
Jahrgang 1927 bis dato zur Verfügung. Jetzt lassen sich unter verschiedenen
Such-Kriterien sämtliche Münzspielgeräte auf Knopfdruck abrufe: die in diesem
Zeitraum auf den Markt gekommen sind. Bereits jetzt verfüge wir über die
beste wissenschaftlich Datei über münzbetriebene Geräte und ihr Umfeld.
Vergleichbares gibt es nur in Frankreich und in den USA. Automaten Markt: So eine
Arbeit erfordert viel Aufwand. Wie läßt sich das kaufmännisch rechnen? Wo ist
der Nutzen? Michael Gauselmann: So cool
läßt sich diese Frage nicht stellen. Von bestimmten Größenordnungen an hat
jede kaufmännische Unternehmen auch eine Verpflichtung gegenüber der
Gesellschaft. In dieser Pflicht ist ein vordergründiger Blick auf den Nutzen
unangebracht. Unser Museum wird nicht nur aus unserer Verpflichtung als
Branchenführer heraus entstehen, sondern auch in enger Verbundenheit mit der
Region, in der unser Unternehmen zu Hause ist. Aber wenn Sie schon nach dem
Nutzen fragen, ich habe auch einen ganz persönlichen Nutzen aus der
intensiven Beschäftigung mit der Branchen-Vergangenheit gezogen. Das war zum
90. Geburtstag meiner Großmutter. Da fiel im Gespräch der Familie der Name
Paul Ehrlich. Das war ein bekannter Hersteller von Musikautomaten. „Den kenn'
ich", sagte meine Großmutter, als sei es nichts Besonderes „Das war mein
Großvater." - So erfuhr ich ganz zufällig, daß Automatenbau so was wie
eine Familientradition ist. Nicht nur mein Vater hat sich damit einen Namen
gemacht. Auch schon mein Ur-Ur-Urgroßvater.
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Noch ein seltenes Zeugnis, dass auch NSM-Löwen mal ein
eigenes Museum hatten. Bis sie den Spaß daran verloren und alles verkauften.

Einen ganz weiten Bogen der Geschichte des Spiels
spannt Hans Kloß.
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Spiel-Geschichte ist Kultur-Geschichte Das sechzigjährige
Jubiläum des Hamburger Automaten-Verbandes hat Bally Wulff Geschäftsführer
Hans Kloß zum Anlaß eines Rückblicks über Jahrtausende genommen.
Vom
ägyptischen Herrscher Ramses ist überliefert, daß er sich gerne mit seinen
Konkubinen dem Spiel Senet, einer damaligen Form des Damespiels, hingab.
Ebenso gibt es in den Museen Spiele aus allen Erdteilen, die vor unserer
Zeitrechnung gespielt wurden. Im Antikenmuseum Berlin sind beispielsweise
Knochenwürfel zu sehen, die etwa 15.000 Jahre alt sein sollen. Ob
es bei den Spielen jener Zeit lediglich um Zeitvertreib oder auch um
materiellen Gewinn ging, darüber läßt sich nur spekulieren, genaue Aufzeichnungen
aus dieser Zeit gibt es nicht. Daß es aber auch in der frühen Geschichte des
Spiels um meßbare Gewinne ging, ist sehr wahrscheinlich: Der Moment der
Spannungssteigerung durch Einsätze wandelt das Spiel von reiner Unterhaltung
in aufreizende Erregung um. Es ist kaum anzunehmen, daß frühere Hochkulturen
darauf verzichtet haben. Der Staat gewinnt gern
mit Das
heute beliebteste Spiel der Bundesbürger, das Zahlenlotto, soll seinen
Ursprung im 15. Jahrhundert haben, in Deutschland tauchte es im 18.
Jahrhundert auf. Friedrich der Große führte es 1763 ein - allerdings nicht
ohne Hintergedanken. Im Mai 1763 begann er mit dem Bau der „Fanfarronade",
dem Bau des neuen Potsdamer Palais, das aus den Gewinnen des Zahlenlottos
finanziert werden sollte - wozu es aber nicht kam. Ein
überliefertes Gespräch zwischen Friedrich dem Großen und Casanova im Juli
1764 im Park von Sanssouci lautet so: „Sie kennen doch bestimmt
Calzabigi?“ „Ja Sire, denn vor sieben
Jahren haben wir in Paris die Genuesische Lotterie eröffnet." „Und diese ist für Sie
auch eine Art Steuer?" „Ja Sire. Es ist eine
Steuer der exzellenten Gattung, wenn der König den Gewinn nützlichen Zwecken zuführt."
„Aber der König kann dabei verlieren, „In einem von zehn Fällen." Für
den Amerikaner Thomas Jeferson galt die Lotterie sogar als die perfekte Steuer,
weil sie freiwillig bezahlt wurde. Heute existieren staatliche Lotterien rund
um den Erdball.
Zeichen des Wohlstandes. Ein
Dorado des Glückspiels außer halb staatlicher Kontrolle finden wir im „Wilden
Westen", der Zeit der Pioniere, Goldsucher und Abenteurer der „Neuen
Welt". So
gab es dort zu jener Zeit kaum jemanden, der sich nicht im Glückspiel
versuchte, und in den Spielstätten der neu entstehenden Städte war das Spiel ein
Gradmesser des Wohlstandes: Je höher die Einsätze, desto wohlhabender war die
Stadt. Ab auch die Indianer waren in jener Zeit durchaus dem Spielen nicht
abgeneigt: So sind bis heute Kartenspiel der Apachen aus bemalter, haltbar
Tierhaut erhalten. Interessanterweise
konnten damals einige Frauen durch das Glückspiel zu Berühmtheit gelangen:
Bell Siddons und Poker-Alice sind nur zwei Beispiele. Poker-Alice stieg nach
dem Tod ihres Ehemannes auf das Glücksspiel um, rauchte fortan Zigarren,
erschoß zwei Männer, einen davon versehentlich, stieg aber rechtzeitig aus
dem Geschäft aus und starb 1930 - so wird berichtet - als liebenswerte Dame. Natürlich
kam den amerikanische Pionieren irgendwann der Gedanke technische
Entwicklungen mit der Lust am Spiel zu kombinieren. So gilt San Francisco als
die Wiege der Slot Machine: 1890 tauchte die erste Poker Slot Machine auf.
Ihr Erfinder war ein deutscher Einwanderer, Charles Fey ein gebürtiger Ulmer. Gewonnen
wurden damit kein Dollars oder Nuggets, sondern Zigarren: Für einen Royal
Flush 50, für vier Asse 10 oder für drei Könige drei Zigarren. Es
folgte eine wahre Explosion von Slot Machines. Aus heutiger Sicht ist jedes
dieser Geräte ein Kunstwerk für sich. Im Amerika der Gegenwart sind Slot
Machines allerdings lediglich in Las Vegas, Atlantic City und Reno zugelassen.
Die Bundesstaaten Nevada und New Jersey sind die einzigen, in denen dieser
Spielform nachgegangen werden kann. Durch die elektronische
Datenverarbeitung und Überwachung sind Betrugsmöglichkeiten praktisch
ausgeschlossen. USA - Astronomische
Gewinne Die
Gewinnsummen sind inzwischen durch Koppelung mehrerer Slot Machines und den
progressiven Jackpot enorm angewachsen: Gewinne von 1 Million Dollar und mehr
sind dadurch mit einem einzigen Hebelgriff zu erzielen. Angefangen
hat das Lotteriegeschäft in den USA im 18. Jahrhundert, indem mit der
Ausgabe von Lottery Tickets konkrete kirchliche, soziale oder lokale
wirtschaftliche Projekte finanziert wurden. So gab es 1747 eine Lotterie zu
Gunsten des Aufbaus einer Flaschenfabrik in Germantown. Die amerikanischen
Präsidenten Benjamin Franklin, George Washington und Aber
auch zu privaten Zwecken wurden Lose ausgegeben. Beispielsweise 1748, als
mit einer Lottery die Schulden von Mr. Joseph Fox, Rhode Island, bezahlt
wurden. Bemerkenswert an den heutigen Möglichkeiten mit den Lottery Tickets
ist die Höhe der Jackpots, die von Zeit zu Zeit gewonnen werden können. Entgegen
den in der Bundesrepublik üblichen Gepflogenheiten, werden die Gewinner
nicht geheim gehalten, sondern der Öffentlichkeit präsentiert. Vielfach
sind die Geschichten, die sich dann um die Gewinner ranken, ein Stück des amerikanischen
Traums. Wenn beispielsweise, wie 1989 geschehen, der einfache Arbeiter aus
Illinois über 40 Millionen Dollar gewinnt, oder der Vietnam Flüchtling in
Kalifornien 2 Millionen Dollar einstreicht. Den
Engländern geht der Ruf voraus, ständig auf alles zu wetten, was nur denkbar
ist. Sicher ein Klischee - aber doch mit einem gewissen Wahrheitsgehalt. Die
Buchmacher auf der Insel nehmen praktisch jede Wette an und gehen dabei auch
auf individuelle Wettwünsche ein. Andere Länder - andere
Spiele In
England entstanden demzufolge die Pferdewetten, die ja heute auf der ganzen
Welt verbreitet sind. Die Engländer züchteten dazu im 18. Jahr hundert eigens
„Pferde der englischen Klasse", die ausschließlich Sportpferde waren und
für die Rennen erzogen und gepflegt wurden was ja auch heute im Trabrenn- und
Galoppsport der Fall ist. Allerdings
hat das Wetten auch in; anderen Kulturkreisen Tradition, manchmal sogar recht
gewalttätig die bei uns zum großen Teil auf Ablehnung stößt. Als Beispiel
seien die Hahnenkämpfe genannt, die im Fernen Oste und im Römischen
Kaiserreich ausgetragen wurden, sich aber bis heute in vielen Ländern des
Mittelmeerraumes oder in Mexiko erhalten habe Der Hahnenkampf ist dann
beendet wenn einer der Hähne kampfunfähig ist - dann wandert er in den
Suppentopf des Besitzers des Siegerhahnes. In
Deutschland gab es 1895 erst Gewinnspielgeräte in Form von
Geschicklichkeitsautomaten; mit einem Pfennig Einsatz konnten ebenfalls Zigarren
gewonnen werden. Was
dann folgte, waren weitere Verfeinerungen und Weiterentwicklungen, um das
Vergnügen am Spiel weiter zu steigern, denn auch in Deutschland war und ist
die Lust am Spiel international konkurrenzfähig. In
der Entwicklung von automatischen Spielgeräten haben technisch versierte
Deutsche weltweit eine entscheidende Rolle gespielt. Gerade in der frühen
Geschichte der USA konnten sich deutsche Auswanderer in dieser damals
jungen Branche auszeichnen. Fachleute der Uhrenindustrie aus dem Schwarzwald
und dem Erzgebirge waren wegen ihrer feinmechanischen Kenntnisse besonders
gefragt und erfolgreich. Daran
knüpft die Entwicklung der Geldspielgeräte in der heutigen Bundesrepublik
nahtlos an. Unsere Geldspielgeräte sind auf der ganzen Welt einzigartig.
Wegen der Wandanbringung nennt man sie international schlicht und einfach
„German Wall Machines". Staatliche Kontrolle des
Spiels Durch
die staatliche Kontrolle über das Glücksspiel fließen dem Staat einerseits
beträchtliche Einnahmen zu, andererseits bietet dies aber auch die Gewähr dafür,
daß der Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt ist. Durch die
staatliche Kontrolle gibt es keine verruchte Hinterzimmeratmosphäre mehr und
der Spieler ist weitgehend vor manipulierten Roulette-Kesseln oder gezinkten
Karten geschützt und im Erfolgsfall ist sein Gewinn garantiert. Das
Falschspiel in seiner höchsten Ausprägung findet sich in den Pionierjahren
der USA wieder. Dazu kam es, weil sich das Glücksspiel, insbesondere mit
Karten und Würfeln, rasant ausbreitete und sich daraus der Berufszweig der
professionellen Spieler entwickelte. Gezinkte Spielkarten wurden teilweise
sogar in großen Auflagen gedruckt und ausgeliefert. Viele Spieler
präparierten ihre Karten auch selbst. Poker-Alice berichtete von Spielern,
die ihre Fingerkuppen so glattschmirgelten, daß beinahe das Blut hindurch
sickerte. Auf diese Weise konnten sie selbst feinste Markierungen auf den
Spielkarten ertasten. Aber
auch professionelle Hersteller von allerlei Ausrüstungsmaterial für
Falschspieler machten ihr Geschäft und boten ihre Produkte teilweise
öffentlich in Katalogen an. „Holdouts" waren mechanische Vorrichtungen,
die im Ärmel, in Jacken, Westen oder unter Spieltischen angebracht wurden.
Mit Hilfe def Holdouts konnten überflüssige Karten vom Tisch verschwinden und
problemlos wieder hervorgeholt werden. Aufgrund
dieser Erfahrungen mit dem exzessiven Falschspiel ist die staatliche
Kontrolle, so wie sie heute existiert, durchaus sinnvoll, weil sie das Spiel
in gesetzmäßige Bahnen lenkt und damit auch zum Erhalt des Spiels als
persönliches Vergnügen beiträgt. Andererseits können übertriebene staatliche
Restriktionen auch eine Einschränkung der persönlichen Entscheidungsfreiheit
bedeuten. Freie Wahl des Spiels Heute
geht man davon aus, daß etwa 80 Prozent der erwachsenen Bundesbürger sich
mehr oder weniger regelmäßig an Gewinnspielen beteiligen. Eine Tatsache, die
wohl eindrucksvoll belegt, daß Spielen zu den vergnüglichen Seiten unseres
Lebens gehört und auch so empfunden wird. Die Möglichkeiten, sich diesen
Vergnügen hinzugeben, sind vielfältig. Spielcasinos, Lotto, Klassenlotterie,
Pferdewetten, Tombolas für wohltätige Zwecke und Spielautomaten sind nur ein
kleiner Ausschnitt aus der Angebotspalette. Für
welche Form des Spiels sich das Publikum auch entscheidet: Es muß die freie
Wahl zwischen allen Spielformen haben, denn auch diese
Entscheidungsmöglichkeit ist Teil unserer persönlichen Freiheit. Es darf
keine ideologisch motivierten Diskriminierungen geben - das gilt auch oder
ganz besonders für unser persönliches Vergnügen. Denn Spiel ist Bestandteil
der menschlichen Geschichte und ihrer Kultur. Der niederländische Soziologe
und Historiker Johan Huizinga kam sogar zu dem Schluß, daß die Kultur ihren
Ursprung im Spiel habe. Die Geschichte des Spiels und der Spiele gibt ihm
recht. |
Fortsetzung folgt…