Automatenpedia 1990
Teil 4 |
Von Esteka für www.goldserie.de
Goldserie e.V. - Erster
Deutscher Verein der Münzspielfreunde
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DDR |
Was für ein Ereignis! Was
sich die meisten „Wessies“ und „Ossies“ jahrzentelang wohl nicht vorstellen
konnten: Die Deutsche Einigung ist da! Auch für die Automatenindustrie ein
wahres Geschenk: In Zeiten, in den um jeden Aufstellplatz gekämpft wurde (siehe
Artikel „Gewalt unter Aufstellern“) kommen in kurzer Zeit 30% Aufstellplätze
hinzu. Klar dass es dabei nicht alles mit rechten Dingen zuging. Aus der
anfangs völlig unsicheren Rechtslage zogen manche windige Aufsteller gutes
Geld, indem sie abgelaufene Geldspieler im Osten weiter aufstellten. Oder Wirte
über den Tisch zogen. Die Verbände versuchten mit Hochdruck, geordnete
Verhältnisse herzustellen und eine ganze Branche in den Neuen Bundesländern
nicht gleich in Verruf zu bringen. Eine bunte Auswahl verschiedener Texte und
Bilder:

Wilder Osten
Die Gier mancher
Aufsteller nach Aufstellplätzen im Osten artete zum Verteilungskampf aus, in
dem die Fetzen flogen. Offen wie selten wurden die Probleme von den Automatenverbänden
und den –zeitschriften aufgegriffen. Wenn man bedenkt, dass folgendes sicher
reichlich geschönt dargestellt ist, muss es zugegangen sein wie im Wilden
Westen.
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Ziegler nahm auch zur Aufstellung
in der ehemaligen DDR Stellung. Er selbst, der bis 1969 Aufsteller in der DDR
war, bedauerte, daß die Kollegen „drüben" von Westunternehmen überrollt
würden. Ziegler sieht zwar, daß dies in allen Branchen an der Tagesordnung
ist, warb aber trotzdem um Fairneß und eine Handlungsweise, die auch für
die Zukunft kein Porzellan zerschlage.
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Bezüglich der Aufstellung
von Spielgeräten in der ehemaligen DDR konnten Roth und Riemer nur auf
vergangene Ausführungen verweisen. Nach beider Auffassung ist eingetreten,
was vielfach vorhergesagt wurde. Wie in guten alten Zeiten tun verschiedene
Aufstellunternehmer alles dazu beitragen, den Ruf der Branche wieder auf
Jahre zu schädigen. Nach der ersten Vertragswelle, so Riemer, ist jetzt die
Welle der Vertragsbrecher unterwegs. Dies will besagen, daß viele
Aufstellplätze, aus Unwissenheit oder Leichtfertigkeit, ohne die richtige
Zulassung gemacht wurden. Zur Zeit sind einige Aufstellunternehmer der
„zweiten Welle" dabei, die „erste Welle" bei allen möglichen
Behörden anzuschwärzen und die Verträge zunichte zu machen. Gut vorstellbar,
so Riemer, welchen Eindruck Verwaltungsleute, die auch noch in 10 und 20
Jahren dort sitzen, von einer Branche bekommen, die mit solchen Methoden
kämpft. Riemer rief die Aufstellunternehmer deshalb zu kollegialem Vorgehen
auf und bat sie, gewisse geschäftliche Dinge doch auf die „vornehme" Art
zu regeln. Schließlich könne man sich doch an einen Tisch setzen und Lösungen
finden, mit denen beide Unternehmer leben können, meinte auch Albert Roth zu
diesem Thema. |
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Beschluss der Automatenverände zu den
Wildwestmethoden einiger Aufsteller Geschäftliche Aktivitäten
in der DDR Alle Branchen der Bundesrepublik
versuchen zur Zeit ihr Glück in der DDR zu machen. Die einen mehr, die
anderen weniger. Die ersten Höhenflüge haben mit einer Bauchlandung geendet,
und viele Illusionen haben sich den realen Erwartungen genähert. Teilweise
hat die Euphorie sogar enormem Frust weichen müssen. In der
Automatenwirtschaft hat natürlich auch der Run nach Osten eingesetzt.
Vielfach suchen dort Unternehmer ein Geschäft zu machen, die sich
hierzulande nie aus ihrer Region herausgewagt haben. Die überzogene Erwartungshaltung
hat offensichtlich den Blick verklärt. Wenn ein Land wie die DDR dann noch
einen quasi rechtsfreien Raum eröffnet, dann besteht natürlich auch die
Gefahr, daß sich gerade die berühmten schwarzen Schafe jeder Branche nicht an
die Spielregeln halten. Die Automatenwirtschaft, deren Spitzenverbände in
der AMA organisiert sind, hat in einer Erklärung sehr deutlich gemacht, was
von ihr im Geschäftsalltag akzeptiert wird und was nicht. Wer also in
Verbänden organisiert ist, muß sich streng an diese Regeln halten, will er
nicht branchenschädigend handeln. Es gibt nicht viele Branchen, deren Organisationen
so deutliche Verhaltensregeln aufgestellt haben. Hätten sie es getan, so
wäre mancher Unmut, der bei DDR-Bürgern und -Unternehmern entstanden ist,
sicher nicht aufgekommen. Wichtig ist, daß auch DDR-Automatenunternehmer,
die, wenn organisiert, auch Mitglied in der ZOA sind, ihre westdeutschen Mitbewerber
auf diese Erklärung verweisen können. Hier der Text der AMA-Resolution: „Im Zusammenhang mit der
Zunahme der gewerblichen Automatenaufstellung in der DDR könnte dort eine
ähnliche scharfe öffentliche Auseinandersetzung um das gewerbliche Münzspiel
drohen, wie wir sie hierzulande seit Jahren erleben. Um drastische
Konsequenzen und noch härtere Reglementierungen durch staatliche und
kommunale Institutionen zu vermeiden, bitten wir Sie dringend, die in der DDR
geltenden gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere die demnächst in Kraft
tretende Spielanordnung, zu beachten, und weisen darauf hin, daß die für
die Bundesrepublik beschlossene freiwillige Selbstbeschränkung der Branche
nach Inkrafttreten auch in der DDR eingehalten werden muß. Bei der Standortwahl von
Spielgeräten sollte unbedingt die Nähe von Schulen, Kindergärten und Jugendzentren
sowie Kirchen und Gedenkstätten vermieden werden. Nach gesetzlicher Zulassung
von Unterhaltungsautomaten mit Geldgewinn in der DDR sollten Geldspielautomaten
auch dort so plaziert werden, daß nicht mehr als zwei gleichzeitig bespielt
werden können. Auch eine optimale äußere Gestaltung der Spielstätte halten
wir für geboten. Als ein besonderes heikles
Thema könnte sich auch wieder einmal der Jugendschutz erweisen. Diese Diskussion
dürfte auch in der DDR in den Medien, im politischen Raum und innerhalb
gesellschaftlicher Institutionen geführt werden. Weisen Sie daher Ihr
Aufsichtspersonal und Ihre Partner in der Gastronomie bitte mit Nachdruck auf
die Brisanz dieses Problems hin. Es genügt, Jugendlichen bis zu 18 Jahren
den Zutritt zu Spielstätten und das Spielen an Geldspielautomaten in
Gaststätten zu verbieten. Auch die Werbung ist so zu gestalten, daß sie sich
zweifelsfrei nicht an Jugendliche wendet. Wenn wir nicht weitere, schärfere
Sanktionen im Steuerrecht, in der Genehmigungspraxis von Betrieben und
möglicherweise zusätzliche Einschränkungen des Automatengewerbes riskieren
wollen, müssen wir die soziale und kommunale Verträglichkeit des
Automatenspiels in der täglichen Praxis unter Beweis stellen. Die Möglichkeit, die
geschäftlichen Aktivitäten auf das Gebiet der DDR auszudehnen, ist auch eine
Chance der Bewährung unserer Branche. Eine Chance, die wir nutzen müssen,
denn wir brauchen politische und rechtliche Rahmenbedingungen, die ein
erfolgreiches unternehmerisches Handeln auch in der Zukunft ermöglichen und
sichern. Hierfür bitten wir im
Interesse der Branche und in Ihrem eigenen Interesse um Ihre Unterstützung. |
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Einig war man sich in
Berlin, daß die Entwicklung des Automatengeschäfts im Osten Deutschlands
sicher nicht so lief, wie man sich das von offizieller Seite gewünscht hätte.
Viele Unternehmer hätten sich weder faktisch noch psychologisch gut und
richtig verhalten, meinte Thüring. „Durch das Verhalten von so einigen
Kollegen haben wir uns ganz sicher keine Freunde gemacht", drückte sich
der Vorsitzende milde aus. Sorgenfalten zeigten sich bei diesem Thema auch im
Gesicht von IMS-Geschäftsführer Heinz Warneke. PR-Arbeit sei ständiges Rudern
gegen den Strom, meinte er. Nur wer ständig dranbleibe, komme wenigstens
Stückchen für Stückchen weiter. In diesem Sinne sei die IMS auch sofort in
Sachen öffentliche Meinung in der DDR aktiv geworden. Aber teilweise seien so
hohe Wellen geschlagen worden, daß das Boot sogar zurückgetrieben wurde,
blieb Warneke im Bild. Nicht gerade glücklich über diese Entwicklung erlaubte
sich Warneke die Frage, ob es denn nötig sei, mühsam abgestellte Fehler jetzt
zu wiederholen. Die Antwort darauf ersparte er sich. Bis zu einem gewissen
Maße hielt Hans Dieter Morgenstern aus dem Hause adp es allerdings für
normal, daß die derzeitige Entwicklung im Osten Deutschlands „nicht ohne
Ecken und Kanten" abgeht. Man habe es mit einem Prozeß ohne jedes
historische Beispiel zu tun, an den dementsprechend auch keine alten Maßstäbe
angelegt werden könnten. Wichtig für die weitere Entwicklung in der DDR
hielt Morgenstern die Kreativität und das Stehvermögen des privaten
Unternehmers. Auf dessen Schwung und Tatkraft habe schon 1953 Ludwig Erhard
gebaut, der damals in geradezu prophetischer Art und Weise voraussah: „In
politischer, wirtschaftlicher und menschlicher Beziehung wird die
Wiedervereinigung Deutschlands Kräfte frei machen, von deren Stärke und
Macht sich die Schulweisheit der Planwirtschaftler nichts träumen
läßt." Ausführlich skizzierte
Morgenstern den finanziellen Rahmen, in dem sich die Vereinigung Deutschlands
bewegen wird. Mit umfangreichem Zahlenmaterial festigte er die Prognose,
daß der Prozeß auch des wirtschaftlichen Zusammenwachsens ohne zusätzliche
Steuern zu bezahlen sei. Unberücksichtigt ließ er dabei höhere Staatseinnahmen
auf Basis der jetzigen Besteuerung, die sich durch die kräftigen
Wachstums-Impulse ergeben werden. In welcher Höhe sich das abspielen würde,
sei noch nicht vorauszusagen. Die Experten seien sich allerdings einig, daß
hier einiges zu erwarten sei. Zu schnell werden nach
Morgensterns Erwartung die wirtschaftlichen Blütenträume freilich nicht in
himmlische Regionen wachsen. Als Hauptprobleme der DDR-Wirtschaft stellte er
deren geringe Produktivität und völlig andere Struktur heraus. Hier müsse
mehr umgekrempelt werden, als sich so mancher vorstellen könne. Beispiel sei
hier unter anderem die Kette von HO-Läden, die komplett auf private Basis gestellt
werden müsse. Wie Morgenstern es sah,
werden deswegen auch die Bürger der Noch-DDR in der nächsten Zeit andere
Sorgen haben, als sich vordringlich mit dem Unterhaltungsspiel
auseinanderzusetzen. Eine Art Explosion des Freizeit-Marktes generell werde
es nicht geben. Andererseits müsse man aber darauf vorbereitet sein, daß
die Entwicklung zur westlich geprägten Freizeitgesellschaft schneller
verlaufe als bei allen bisher bekannten Modellen. Morgenstern war sich
sicher, daß die typischen Wohlstandsstufen Essen, Konsum, Freizeit im
Sauseschritt genommen werden. Es sei also sicher nicht falsch, die Zukunft
schon heute vorzubereiten. Wer es verstehe, sich mit
Fingerspitzengefühl, Sinn für Sensibilitäten und dem realistischen Blick für
das wirklich Machbare und Vernünftige dem noch fremden Markt zu nähern, habe
beste Chancen, auch darauf zu bestehen. |
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Heimvorteil
Einen echten
Heimvorteil hatte Bally Wulff. Bisher in Berlin isoliert vom Bundesgebiet mit
weiten Transporten vom Produktionsstandort, waren sie plötzlich im Herzen und
neuen (alten) Zentrum Deutschlands mit allernächsten Kontakten zum neuen
Wirtschaftsgebiet.
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Seit
dem 9. November 1989 gibt es in der Bundesrepublik, aber auch in vielen
anderen Ländern kaum ein Gespräch, bei dem das Thema nicht auch auf die „Mauer"
kommt. Vor allem für die Berliner, die das Ereignis hautnah zu spüren
bekommen haben, gibt es seit diesem denkwürdigen Tag der Maueröffnung für den
Westteil der Stadt ganz neue Perspektiven. Sie zeigen wohl deshalb immer
wieder freudige Betroffenheit, wenn es um die geöffnete Mauer geht. Der
größte Teil steht aber noch. Allerdings hat niemand mehr Respekt vor ihr,
was sich inzwischen in dem neuen Berliner Fachausdruck „Mauerspecht"
äußert. Darunter versteht man Leute, die mit Hammer und Meißel diesem Bauwerk
aus der stalinistischen Zeit des zweiten deutschen Staates zu Leibe rücken. Ironischer
weise muß die Polizei von Berlin-West nun das Bauwerk schützen. Doch gegen
die Vielzahl der Mauerspechte ist der Schutzwille fast aussichtslos, und die
Löcher im „antifaschistischen Schutzwall"-wie das Bauwerk früher im
offiziellen Sprachgebrauch der DDR hieß -werden immer größer. Weltweit
interessieren sich Museen und Kunstliebhaber für die besonderen Stücke, denn
auf der Westseite des modernen Limes waren über die Jahre tausende von
Künstlern am Werk und verewigten sich auf dem glatten Beton, oft in mehreren
Lagen übereinander. Besonders im Bereich vom Brandenburger Tor über
Checkpoint Charly bis zum Künstlerhaus Bethanien sind auffallend schöne
Graffiti zu sehen. Kaum ein Meter ist farblos geblieben. Für die schönsten
Stücke werden bereits Preise von 35 000 Mark geboten. Eine völlig neue Art
der Devisenbeschaffung. Ganz
so teuer war das Stück Mauer, das Bally Wulff auf dem Messestand in Frankfurt
hatte, nicht. Peter Holm, seit zwanzig Jahren für die pünktliche Auslieferung
der Bally Wulff-Geräte mit dem Lkw unterwegs, packte die Gelegenheit beim
Schopf, als Bauarbeiter vor seinem Balkon die Mauer abrissen. Für eine Runde
Bier lag der Brocken von 100x120 cm auf seinem Lkw und wurde auf den
Messestand nach Frankfurt verfrachtet. Ein
weiteres Stück wurde in viele kleine Einzelteile zerhackt und handlich in
Tüten abgepackt, die auf der Messe hauptsächlich an Journalisten,
ausländische Besucher und Politiker verteilt wurden. Prominentester
Empfänger der Berliner Mauer war Klaus Beckmann, Staatssekretär im
Wirtschaftsministerium, der ein Stück mit nach Bonn nahm. Die
große Mauerplatte wird demnächst versteigert werden, der Erlös einem guten
Zweck zugeführt. Dann wird dieses Mauerteil, das schon heute nicht mehr den
Schrecken verbreitet, „Die
Mauer fällt" sang auf der Bally Wulff-IMA-Showbühne Mel Jersey - ein
Song, der nach seinen Angaben bereits vor Jahren von ihm geschrieben wurde.
Die Mauer ist für den Berliner Automatenhersteller im doppelten Sinn
gefallen. Zum einen ganz hautnah erlebbar, denn man kann durch sie hindurch
auf den Ostteil der Metropole schauen. Zum
anderen auch symbolisch, eröffnet sie doch dem Unternehmen den freien Blick
in die 90er Jahre.
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Nachholbedarf
Der Nachholbedarf war
gewaltig, zeigten schon die ersten Zur-Schaustellungen westdeutscher
Unterhaltungsgeräte.


Anfängliche Probleme
Nur mühsam gelang die
Verschmelzung der deutschen Staaten. An was alles gedacht werden musste …
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O=Osten Die
endgültige staatsrechtliche Vereinigung der beiden Teile Deutschlands hat
auch Auswirkungen auf den Postverkehr mit sich gebracht. Damit Briefe,
Päckchen und sonstige Sendungen an die richtige Adresse gelangen, ist ein
zusätzlicher Buchstabe vor der Postleitzahl notwendig. Seit dem 3. Oktober
1990 kennzeichnet ein „O" mit einem Bindestrich vor der Postleitzahl
die Postsendungen, die in den Osten der Republik gehen sollen. Umgekehrt gibt
ein „W" vor der Postleitzahl an, daß die Sendung an eine West-Adresse
gerichtet ist. Für Kunden, die Sendungen nur innerhalb des Ost- oder
Westteils der Bundesrepublik versenden, bleibt alles beim alten. Ein
zusätzlicher Buchstabe ist nicht erforderlich. Für Verschickungen aus dem
Ausland nach Deutschland gelten ebenfalls die Kennzeichnungen „0" und
„W". Dazu muß aber noch die Bezeichnung „Bundesrepublik
Deutschland" kommen. Nach Angaben der Post sollen diese Kennbuchstaben
noch die nächsten zwei Jahre gültig sein. |
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Deutschland
einig Vaterland und das steuerliche Drumherum ·
Bis wann darf die Pauschale von 50 DM für Verwandtenbesuche in der
DDR steuerlich geltend gemacht werden? ·
Dürfen Sie eine Stereoanlage an Verwandte in der DDR verschenken und
die Anschaffungskosten als außergewöhnliche Belastung bei der Steuer
unterbringen? ·
Was ist, wenn Ihr DDR-Besuch in der Bundesrepublik ins Krankenhaus
muß und Sie die Krankheitskosten übernehmen? ·
Kann ein Aussiedler-Ehepaar mit zwei Kindern noch 40 000 DM beim
Jahresausgleich oder der Einkommensteuer 1989 für die Wiederbeschaffung von
Hausrat und Kleidung geltend machen? ·
Wann gibt es den Freibetrag für Flüchtlinge und Vertriebene? ·
Wie können Sie Steuern sparen, wenn Sie als Unternehmer alte Maschinen
an unsere DDR-Landsleute verschenken? ·
Gibt es bei der Umsatzsteuer einen ermäßigten Steuersatz oder gar
Steuerfreiheit für Lieferungen in die DDR? Sie
sehen, die Palette der Fragen, die sich um die Wiedervereinigung ranken, ist
bunt. Auch Fachleute haben ihre Probleme, die einzelnen Stichtage auseinanderzuhalten. Ich
habe Ihnen deshalb ein Schema gemacht, aus dem Sie die grundsätzlichen
steuerlichen Dinge mit einem Blick entnehmen können. Allerdings:
Die Entwicklung ist rasant. Wenn im Herbst 1990 geschrieben wird, für
Paketsendungen in die DDR seien nach wie vor 40 DM absetzbar und bei
Verwandtenbesuchen aus der DDR gebe es 10 DM pro Person und Besuchstag
pauschal, so kann dies alles schon per Jahresultimo oder gar früher überholt
sein. Vergewissern Sie sich daher bei Ihrem Steuerberater oder beim Finanzamt,
wenn Sie ganz sichergehen wollen, ob eine Bestimmung noch gilt oder schon
durch die Entwicklung überrollt ist. Nun
aber geht's los mit der steuerlichen Route nach Gesamtdeutschland. Zwölf
Pfeile weisen Ihnen den Weg. Der folgenden steuerrechtlichen
Fachaufsatz erspare ich Euch … |
Zaghafte Kontaktaufnahme
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Deutsch-deutsche
Impressionen DDR: Anlauf zum großen Sprung über ein
halbes Jahrhundert hinweg In vielen Gesprächen mit Branchenkundigen
sammelte unser Reporter Eindrücke im anderen Deutschland. Aussichten, Einsichten,
Übersichten. Wenn Antje Klages,
Fachjoumalistin in Ost-Berlin, ganz nahe rückt und ganz leise spricht, wird
es spannend. Dann will sie etwas mitteilen, das nicht in die offizielle Linie
paßt. Ein typisches DDR-Verhalten: Der allgegenwärtige Staat hat
jahrzehntelang immer mitgehört.
„Ich glaube, die Öffnung
der Mauer war ein Irrtum", flüstert Antje Klages. Das paßt nicht zur
Vereinigungs-Euphorie, die das ganze Land erfaßt hat. Aber viele denken so.
Oder sie fühlen nur so. Unterhalb der allgemeinen Begeisterung wuchert die
Angst. „Die Ungewißheit macht
uns Sorge", offenbart Renate Wesolek, Buchhändlerin in Halle.
„Gewißheit haben wir wenigstens immer gehabt. Wenn es auch nur die Gewißheit war,
daß die Lebensbedingungen bei uns von Jahr zu Jahr schlechter wurden." Und nun geht's nicht mehr
so weiter! Die Menschen im anderen Deutschland wollen auch endlich leben.
Jahrzehntelang sind sie nur gelebt worden. Ihr Land ist heruntergekommen.
Hoffnungslosigkeit hat die Menschen gelähmt. Hoffnungslosigkeit, die sich
unter anderem in der zentimeterdicken Staubschicht auf der Treppenhauslampe
in einem Verwaltungsgebäude widerspiegelt. In den ungeputzten Fenstern.
Noch hat niemand den Staub abgewedelt. „Bei uns sind die Uhren
schon in der Vorkriegszeit stehengeblieben`, resümiert Antje Klages. „Nun
sollen wir den Sprung über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg in einem
einzige Satz vollziehen. „Bei dem Gedanke wird mir schwindelig. Wir bräuchte
Zeit, um uns auf das Neue einzustellen." Aber die Zeit ist der DDR
schon jetzt davongelaufen. Auf der Peißnitzinsel in
der Saal sind fünf Männer in Klausur gegangen Automatenaufsteller: Vier aus
der DDR, einer aus der Bundesrepublik. „Allein schaffen wir es
nicht", sagt Dieter Hedel (Ost), Initiator der Runde. „Die Kollegen im
Westen haben uns dreißig Jahre Erfahrung voraus. „Wir wollen euch gern
davon profitieren lassen`; verspricht Manfred Creutz (West). Bis 1961 hat es in der
DDR einen Verband der Automatenaufsteller gegeben. 56 Mitglieder.
Privatunternehmen die damals noch das Wohlwollen des Staates genossen.
Vereinzelt sogar staatliche Förderung. Erst mit Erich Honecker hatte die
totale Unterdrückung jeder wirtschaftlichen Privatinitiative eingesetzt. „Schon seit 1928 hat mein
Vater Unterhaltungsautomaten aufgestellt", so Rolf Kuhnert. „Als er
starb, hat man es mir so schwer wie möglich gemacht sein Lebenswerk
fortzusetzen. Eine Gewerbegenehmigung konnte ich nur unter dem Vorwand
bekommen, eine Reparatur-Vertragswerkstatt zu betreiben. Automatenaufstellung
lediglich nebenbei. Und ich mußte mich verpflichten, niemals Angestellte zu
beschäftigen. Also hatte ich keinerlei Entfaltungsmöglichkeiten." Aber die Zulassungen für
die Geräte konnten ihm nicht weggenommen werden. Sie wurden jährlich
erneuert, als bis 1961 noch das Deutsche Amt für Maße und Gewichte dafür
zuständig war. Dann wurde der DDR-Staatszirkus, Abteilung
Spielerlaubniswesen, Genehmigungsbehörde. Ein Einmann Referat, das von Dieter
Wulf verwaltet wird. Das
brachte zunächst eine spürbare Verbesserung mit sich. Die Zulassungen
brauchten nicht mehrjährlich erneuert zu werden. Die Genehmigung wird heute
auf die Person des Automatenunternehmers erteilt. Ohne Bestimmung des
Aufstellplatzes und zeitlich unbegrenzt. Deshalb
sind in der DDR noch Gewinnspielgeräte im Einsatz, deren vierjährige
Zulassungsdauer im Westen längst abgelaufen ist. Vereinzelt sogar
Vorkriegsgeräte. West-Geräte auf Ost Betrieb umzustellen, ist nicht allein
mit Auswechseln des Münzprüfers getan. Auch die Zahlröhren müssen angepaßt
werden. Eingeworfen
werden können Fünf-, Zwei-, Eine-Mark-Münzen und Zehnpfennigstücke. Der
Einsatz ist nicht einheitlich. Zehn-, Zwanzig- und Dreißig Pfennig-Spiele
gibt es je nach Alter des Geräts. Auszahlquote und Spieldauer werden
ebenfalls vom Gerät bestimmt. Damit wird die Spielverordnung der
Bundesrepublik schon jetzt praktiziert. Der Staat hat keine eigenen Bestimmungen
erlassen. Lediglich für Unterhaltungsgeräte ohne Gewinnmöglichkeit, Flipper
und TV-Spiele, ist der Höchsteinsatz vorgeschrieben: Fünfzig Pfennig (Ost). Eine
Mehrwertsteuer wie im Westen gibt es nicht. Entsprechend keinen Multiplikator.
Wie bei uns ist Vergnügungssteuer abzuführen. Ihre Höhe wird von der Kommune
bestimmt. Die Spanne reicht von 2,50 Mark bis 6 Mark pro Monat und Gerät.
Der Aufstellplatz- Geber ist mit einer Provision bis zu 30 Prozent am
Einspielergebnis beteiligt. Auf
dem Papier sind das paradiesische Zustände. Nicht in der Realität. Es gibt
kaum Aufstellplätze. Gaststätten, soweit überhaupt vorhanden, haben nur kurze
Öffnungszeiten. Für Jugendklubs und Kulturhäuser gilt dasselbe. Auch unfrisierte Zahlen machen falsche Aussagen Aus
eigener Kraft wird sich die DDR Wirtschaft nicht aus ihrem Dilemma reißen
können. In dieser Beurteilung sind sich Verantwortliche in Ost und West
einig. Dieser Einigungsprozeß hat schon Formen angenommen. Der
Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga)- West- und die
Handelshochschule Leipzig (Lehrstuhl Ökonomie des Gaststätten- und
Hotelwesens) - Ost - haben gemeinsam eine Institution ins Leben gerufen. Von
ihr aus sollen Hilfen für den Aufbau einer marktwirtschaftsfähigen Gastronomie
in der DDR gegeben und Maßnahmen koordiniert werden. „Es
darf nichts aus den Fugen geraten`, warnt Professor Dr. Wolfgang Witzmann,
der in Leipzig für diesen Bereich verantwortlich zeichnet. Eine seiner
Sorgen ist, daß sich mit einem Boom
für Münzspielgeräte auch gewaltverherrlichende oder anders abstoßende Spiele
ausbreiten könnten. Grundsätzlich
befürwortet er da Münzspiel als Freizeit-Beschäftigung In vielen Gaststätten,
Kulturhäuser und Jugendklubs könnten Unterhaltungsautomaten eine Bereicherung
des Angebots darstellen. Um so bedauerlicher wäre es, wenn sie in schlechten
Ruf geraten. Er selbst biete jedem Rat suchenden Unterstützung an: „Damit das
Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird, bevor Wasser drin ist!" Die
Zahl der gastronomischen Betriebe in der DDR gibt der Professor mit 26.000
an. Rund 11.000 davon sei en Privatbetriebe. Aber
privat ist nicht gleich privat! Der überwiegende Teil der scheinbar privaten
Gaststättenbetreiber sind Kommissionäre von HO (staatliche Handelsorganisation)
oder Konsum (Genossenschaft). Ihnen wird vorgeschrieben, was und wie viel und
zu welchen Preisen sie zu verkaufen haben. Die Ware wird zugeteilt. Der Wirt
trägt das Risiko, die Gesellschaft fährt den Gewinn ein. Kapitalistische
Ausbeutung in sozialistischer Potenz! Kaum
besser sind die wirklich privaten Gastronomen dran. Obwohl sie sich vielfach
liebevoll und individuell eingerichtet haben, schimmert auch im Ambiente das
Uniforme durch. Speisekarte und Kalkulation müssen behördlich genehmigt
werden. Nur der Wareneinsatz wird zugrunde gelegt. Menschliche
Arbeitsleistung ist als Kalkulationsfaktor nicht zugelassen. Mindestens
neunzig Prozent der gastronomischen Betriebe in der DDR sind heruntergekommen
und in einer Marktwirtschaft nicht wettbewerbsfähig. Ihnen verbleibt für den
Übergang vielleicht eine Galgenfrist, weil sich Konkurrenz nur langsam und
mit großen Anstrengungen niederlassen kann. Schon jetzt hat die DDR Gewerbefreiheit
eingeführt. Aber es gibt keine Gewerberäume. Kein Arbeitskräftemangel, nur zu viele
Arbeitsplätze Beim
Frühstück im Leipziger Interhotel Astoria findet der Gast ein Zettelchen auf
dem Tisch. Damit wird er um Lob oder Tadel gebeten. „In
dem Bestreben, unseren Versorgungsauftrag in hoher Qualität zu erledigen.. ."wird
die Aufforderung eingeleitet.
„Wir haben in der DDR ein
vorbildliches Berufsausbildungs- und Fortbildungssystem vorzuweisen`,
erfahren wir von Professor Dr. Karla Henschel, an der Handelshochschule
Leipzig zuständig für diesen Bereich. Ähnlich wie bei uns wird
dual ausgebildet. Praxis im Betrieb, Theorie in der Schule. Die kann jedoch
bei Großbetrieben eine eigene Einrichtung sein. Marxismus-Leninismus, jetzt
als Lehrfach abgeschafft, war Hauptfach. Es soll Kellner geben, die zwar nie
gelernt haben einen Tisch einzudecken. Dafür können sie das kommunistische
Manifest vorwärts und rückwärts vorbeten. Freie Berufswahl wurde so
praktiziert: Alle Schüler besuchen mindestens zehn Klassen der Allgemeinen
Oberschule. Chancengleichheit durch einheitliches Schulsystem, keine Drei
Klassen-Gesellschaft wie noch immer in der Bundesrepublik. Seit fünfter
Klasse wird Berufsvorbereitung praktiziert. In der achten und neunten Klasse
gibt es sogenannte Berufsberatungszentren. Zu Beginn der zehnten Klasse gibt
jeder Schüler seinen individuellen Berufswunsch ab. »Trotzdem", so
Professor Henschel, ,ist auch bei uns nicht jeder geworden, was er wollte.
Die Lehrlingszahlen wurden geplant. Jeder Betrieb bekam eine bestimmte
Anzahl Auszubildender zugewiesen. Sozusagen ein numerus clausus!" Alle Berufsbilder sind so
aufgebaut, daß Aufstieg sowohl auf gleicher Ebene als auch der Einstieg in
die höhere Ebene möglich ist. Ein Koch braucht zwei Jahre, um als Koch
ausgelernt zu haben. Hängt er noch ein Jahr dran, bekommt er das Abitur.
Damit darf er ein Universitäts-Studium beginnen. Theoretisch, denn in der
Praxis steht ein permanenter Mangel an Studienplätzen dem im Wege. Berufsbezeichnungen sind
dem gestelzten DDR-Deutsch angepaßt. Wer hauptberuflich Kuchen backen will,
braucht den Brief eines »Facharbeiters für Backwaren, Spezialität Konditor«.
Um eine Gaststätte zu leiten oder selbständig zu betreiben, wird ein Befähigungsnachweis
vorausgesetzt. Zwei Semester Betriebsakademie. Zugang nur mit Facharbeiterbrief.
Es muß aber nicht einer aus dem Gastronomiegewerbe sein. Ein Facharbeiter
der Schweißtechnik kann ebenso den Befähigungsnachweis erwerben. „Wer sonst
nichts wird, wird Wirt`, heißt das im Westen. Alle Bildungsmaßnahmen in
der DDR sind kostenlos. Auch die Ausund Weiterbildung. Diesen Zustand würde
Professor Henschel ungern im deutsch-deutschen Einigungsprozeß verlorengehen
lassen. Obwohl sie nicht übersieht, daß dieser Prozeß den
versorgungsgewohnten DDR Bürgern viele harte Opfer abverlangen wird. „Wir reden hierzulande
viel von Arbeitskräftemangel", führt sie als Beispiel an.„Tatsächlich
gibt es nur zu viele Stellen. Zumal die menschliche Arbeitskraft bei uns
immer sehr billig war und betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte gegenüber
der zentralen Planung keinen Stellenwert hatten, ist niemals über
Rationalisierung nachgedacht worden. Das muß ganz schnell anders werden,
wenn wir die Marktwirtschaft wollen." Ärmel
hochkrempeln ohne Hemdsärmeligkeit Marktwirtschaft
macht in der DDR schon jetzt Kopfzerbrechen. Der Leiter eines VEB
Süßwarenkombinats beklagt sich, daß er die minderwertigen Erzeugnisse nicht
mehr absetzen kann. „Früher wurden den Einkäufern die Abnahmemengen
vorgeschrieben." Niemand sehnt sich zurück
nach der Zeit, als der Staat den Menschen jede Verantwortung abgenommen hat,
dafür aber nichts funktionierte. „Es werden sich Probleme
häufen", sagt die Ost-Berliner Journalistin Antje Klages. „Aber da
müssen wir nun mal durch." Der Verlag, für den sie
arbeitet, ist volkseigen. Die Mitarbeiter fordern eine Umwandlung in eine
privatwirtschaftliche GmbH. Die Gesellschaftsanteile sollen von den
Angestellten des Betriebes übernommen werden. Volkseigen im wahren Sinn des
Wortes. „Wir müssen flexibel auf
Herausforderungen des Wettbewerbs reagieren können`; sieht die
Fachjournalistin sehr richtig. „Das Konzept dafür kann nicht von oben
kommen." Der Leipziger
Automatenunternehmer Dieter Kersten ist fest davon überzeugt, daß sich der
Tüchtige behaupten wird, wenn die sprichwörtliche Bahn für ihn frei ist. Doch
ermacht sich nichts vor. Die »freie Bahn« steckt voller Fußangeln. „Die wenigsten
Aufstellplätze waren bisher vertraglich abgesichert`, räumt Kersten ein. „Das
müssen DDR-Aufsteller schnellstens nachholen, bevor ihnen Konkurrenten aus
dem Westen zuvorkommen." Automatenunternehmer aus
der Bundesrepublik sind bereits aktiv. Mehr als 150 bisher branchenfremde
Antragsteller haben sich schon beim Spielerlaubniswesen des Staatszirkus
gemeldet. Bis jetzt hat Dieter Wulf seine rund 30 selbständigen Automatenunternehmer
alle persönlich gekannt. „Ich vermute, daß die
neuen Antragsteller großenteils Strohleute für West Aufsteller sind`, macht
Dieter Wulf seiner Skepsis Luft. „Zum Teil aber wohl auch ehrlich an Joint
Ventures Interessierte." Für Dieter Kersten war es
zunächst ein Schock, als ihm Konditionen bekannt wurden, mit denen schon von
neuen Konkurrenten operiert worden ist. 50 Prozent Wirteprovision und mehr! „Bei uns kennt doch
niemand das Kleingedruckte`; beklagt er. „Daß nach Abzug von Vorsteuem,
Kostenpauschale und Gebühren dem Wirt vielleicht unterm Strich weniger
verbleibt als bei unseren niedrigeren Provisions-Sätzen." Informationsmangel sei
eine tödliche Schwäche der DDR-Unternehmer. Erst seit kurzem dürfen
Presse-Erzeugnisse uneingeschränkt eingeführt werden.Vordem 9.November 1989
war der „Automaten Markt“ nur einer kleinen Anzahl autorisierter Bezieher zugängig. Albert
Roth, Automatenunternehmer (West) und Vorsitzender des Hessischen
Münzautomaten-Verbandes, dazu: „Es wäre ein nicht wiedergutzumachender
Fehler, wenn von unserer Seite die Wettbewerbsnachteile von DDR Unternehmern
rigoros ausgenutzt werden. Ich warne davor, schon weil so ein Verhalten von
wenigen unserer gesamten Branche zusätzlichen Verlust an Ansehen zufügen
könnte. Daher mein Appell, unseren Kollegen in der DDR uneigennützig zu
helfen, wo sie unsere Hilfe brauchen. Es ist legitim, dabei Partnerschaften
einzugehen, die eines Tages auch Profit einbringen. Ärmel hochkrempeln ja,
aber Hemdsärmeligkeit, nein! |
Interview mit Dieter Wulf
Interessante Einblicke in die
Geschichte der Unterhaltungsgeräte in der DDR liefert folgendes Interview. Was
ist eigentlich aus Dieter Wulf geworden?
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Heinz
Warneke (IMS) im Gespräch mit Dieter Wulf (DDR). Heinz
Warneke: Herr Wulf, Sie sind in der DDR für das Münzspiel zuständig. In allen
Ländern des östlichen Lagers liegt die Verantwortung dafür beim jeweiligen
Staatszirkus. Sie haben sich seit langen Jahren mit dem Münzspiel - mit und
ohne Gewinnmöglichkeit-beschäftigt. Was hat sich im letzten Jahrzehnt auf
diesem Sektor in der DDR getan? Dieter
Wulf: Bis zu Beginn der 80er Jahre haben die Schausteller und Aufsteller bei
uns überwiegend nur Altgeräte einsetzen können. Der Spieleinsatz betrug für
Unterhaltungs- und Gewinnspielautomaten jeweils zehn Pfennige. Die Automaten
mit Gewinnspiel tragenden Sammelbegriff UWAG
(Universal-Waren-Ausspielgerät). In den letzten Jahren bestand für diesen
Berufszweig - Schausteller und Automatenaufsteller - die Möglichkeit, über
den Weg der Schenkung Geräte aus dem NSW (Nicht-Sozialistisches
Wirtschaftsgebiet) einzuführen und gewerblich zu nutzen. Dabei waren gewisse
Fragen zu beachten, die vorrangig in der finanziellen Seite begründet waren.
100 Prozent des Neuwertes mußten als Zoll bezahlt werden. Dieser Einfuhrzoll
wurde später auf 20 Prozent gesenkt. In jüngster Zeit ist der Zoll ganz
weggefallen. Auch andere Dinge des Verfahrens- und Verwaltungsweges sind
zudem wesentlich einfacher geworden. Im Gegensatz zur Bundesrepublik ist
bei uns zu dem, was Sie unter Münzspiel verstehen, zu sagen, daß bei uns
Gewinne nicht in Bargeld ausgezahlt werden dürfen. Die Gewinne bestehen bei
uns ausschließlich aus Spielmarken. Die Geräte selbst dürfen mit Spielmarken
oder mit Bargeld betrieben werden. Die Münzstrecke muß bei Betreiben mit
Bargeld vom Warenausstoß getrennt sein, so daß der Spieler einen Gewinn
immer nur in Spielmarken erhält. Diese kann er beim Betreiber gegen
Warengewinn einlösen, ein Umtausch in Bargeld ist nicht erlaubt.
Dieter Wulf ist Fachgebietsleiter
Spielerlaubniswesen, Staatszirkus der DDR, Generaldirektion Für westliche Gepflogenheiten etwas
ungewöhnlich, liegt in allen Ländern Osteuropas die Verantwortung für das
Münzspiel beim jeweiligen Staatszirkus. Der dafür in der DDR zuständige Mann
ist Dieter Wulf. Als Fachgebietsleiter Spielerlaubniswesen beim Staatszirkus
der DDR, Generaldirektion, regelt er alles, was in der DDR mit Spielgeräten
zu tun hat. Ohne die Zulassung seines Amtes darf zwischen Elbe und Oder kein
Spielautomat, ganz gleich welchen Typs, betrieben werden. Wulf kennt die
gesetzliche Seite des wenig ausgeprägten Automatengeschäfts in der DDR sehr
genau, weiß aber auch generell über den Freizeitmarkt des Landes gut Bescheid.
Ebenfalls wohlinformiert über die Situation in der Bundesrepublik
Deutschland ist er prädestiniert für realistische Prognosen hinsichtlich der
Möglichkeiten, die sich für die Spielgerätewirtschaft durch die rasanten
politischen Entwicklungen unserer Tage ergeben. Heinz
Warneke: In der DDR gibt es gesetzliche Rahmenbestimmungen über das
Geldspiel. Diese schließen Gewinne in Form von Bargeld aus. Glauben Sie, daß
sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird? Dieter
Wulf: Grundlage dieses Gesamtkomplexes ist die „Anordnung über das
gewerbsmäßige Veranstalten von Spielen" (GBI. Teil 1, Nr. 37 vom Dezember
1981). Im gleichen Gesetzblatt enthalten ist auch die Anordnung über die
Erhebung der Lotteriesteuer. Die erstgenannte Anordnung bezieht auch das
Betreiben von Automaten ohne und mit Gewinn ein. Dabei ist nicht formuliert,
ob die Gewinne in Form von Bargeld, Spielmarken oder Waren zu erfolgen haben.
In der Anordnung zur Lotteriesteuerpflicht steht, daß bei Spielen an
Automaten und anderen Spielen, bei denen keine Spielausweise erteilt werden,
der Gewinn ganz oder teilweise in barem Geld bestehen kann. Der Gesetzgeber
hat hier, wie auch in der vorgenannten AO, die Möglichkeit zum Bargeldgewinn
eingeräumt. Mit Sicht auf die Festlegungen in der Kinder- und
Jugendschutzverordnung, die einem 14jährigen Jugendlichen die Möglichkeit
geben, auch an Automaten jeglicher Bauart zu spielen, wurden die
Spielbedingungen und Gewinnpläne schon in den 60er Jahren so gefaßt, daß ein
Gewinn an Spielautomaten ausschließlich in Spielmarken zur Auszahlung zu
kommen hat. Einsatz dabei war zunächst maximal ein Groschen, Höchstgewinn das
Zehnfache. Heute hat sich das bei elektronischen Geräten auf einen
Höchsteinsatz von 30 Pfennigen und Höchstgewinn 3 Mark geändert (ab 1981).
Der Gewinn muß aber immer aus Spielmarken bestehen. Heinz
Warneke: Gibt es in der DDR eine Produktion von Münzspielgeräten? Was wird
dort produziert? Dieter
Wulf: Wie mir bekannt ist, gibt es keine Produktionsanlagen für Münzspielgeräte,
mit einer Ausnahme: TV Spielgeräte Polyplay werden in KarlMarx-Stadt
hergestellt im VEB Polytechnik. Dieses Gerät wird mit acht Spielprogrammen
angeboten, so daß der Spieler unter acht Varianten auswählen kann. Alle
anderen Geräte stammen aus den 50er Jahren oder sind zum Teil noch älter. Der
Rest resultiert aus den Geschenk-Importen. Heinz
Warneke: Wenn man nur flüchtig die DDR kennt, hat man den Eindruck, daß es
hier keine Automaten gibt und damit auch keine Automatenaufsteller.
Sicherlich liegt es daran, daß aus den von Ihnen erwähnten Gründen nur wenige
Geräte betrieben werden. Dieter
Wulf: Da haben Sie sicherlich recht. Aber gerade die letzten Wochen haben
gezeigt, daß man in Zukunft mit einem verstärkten Angebot von stationären
Spieleinrichtungen rechnen kann, wenn die erforderlichen Gewerberäume
vorhanden sind. Dabei ist zu beachten, daß bei uns - territorial unterschiedlich
- bisher die Nachfrage nach dem Münzautomatenspiel nicht immer in der
Vielfalt ausreichend befriedigt werden konnte. Heinz
Warneke: Sie sehen demnach große Möglichkeiten für das Automatenspiel, wobei
man sicherlich nach den Kategorien mit und ohne Geldgewinn unterscheiden
muß. Wie sehen Sie im Augenblick die Chancen für ein Spiel mit Geldgewinn? Dieter
Wulf: In der heutigen Zeit sollte man sich davor hüten, etwas generell
auszuschließen. Die Erwartungshaltung bei einer ganzen Reihe von Bürgern
unserer Republik, ausgehend von einer immer weitergehenden Mündigkeit,
tendiert dahin, daß diese Ebene der Unterhaltung angeboten werden sollte,
zumal wenn der Verlust berechenbar ist. Auch bei uns gibt es ja bereits
Möglichkeiten des Gewinns. Von jenem, der wöchentlich zweimal auf die
Rennbahn geht und dabei hohe Beträge beim Wetten einsetzt, sprechen wenige.
Und ich finde, daß es zumutbar ist, wenn Spielgeräte mit Gewinn eingesetzt
werden, allerdings immer unter der Bedingung, daß der Spieleinsatz maximal
30 Pfennige beträgt. Davon ausgehend glaube ich, daß man in Zukunft bei uns
Möglichkeiten prüfen muß, inwieweit die geltenden Bestimmungen auch auf eine
Bargeldauszahlung erweitert werden können. Allerdings müßte dann auch der
Zugang zu diesen Geräten verändert werden. Dabei könnten die Erfahrungen,
die Ihre Industrie und auch Ihre Aufsteller in den vergangenen Jahren
gesammelt haben, unter unseren Bedingungen berücksichtigt werden, damit zum
Beispiel kein Überangebot entsteht. Man muß das Rad ja nicht erneut
erfinden. Heinz
Warneke: Aus Sicht der sozialen Marktwirtschaft erlauben Sie mir eine
Anmerkung: Dies klingt ein wenig nach Lenkung. Zweifellos wird die DDR eine
freie Marktwirtschaft in Zukunft haben und dabei werden Angebot und
Nachfrage den Markt bestimmen. Zurück zu den Geräten. Richtig ist doch, daß
im Augenblick Geldspielgeräte westlicher Bauart nicht zugelassen werden.
Zuvor müßte bei Ihnen ein Antrag auf Zulassung gestellt werden und Ihr Amt
müßte dann versuchen, im Rahmen der gesetzgebenden Körperschaften eine
Genehmigung dafür zu bekommen. Dieter
Wulf: Das ist durchaus richtig. Allerdings waren die Aufsteller und
Schausteller in der Vergangenheit sehr findig. Bei den elektronischen Geräten
zum Beispiel sind Veränderungen vorgenommen worden, so daß die gesetzlichen
Bestimmungen hinsichtlich des Spielens mit Spielmarken erfüllt wurden. Nach
wie vor ist es bei uns so, daß Automaten im Fachgebiet Spielerlaubniswesen
beim Staatszirkus der DDR zugelassen werden müssen. Dies gilt nicht nur für
Geräte mit Gewinnen in Form von Spielmarken, sondern auch für Flipper, TV
Spielgeräte usw. Heinz
Warneke: Das ist sehr interessant. Ein Aufsteller aus der Bundesrepublik
könnte also nicht allein oder mit einem Kollegen aus der DDR morgen Flipper
in der DDR aufstellen. Dieter
Wulf: Jeder Flipper und jedes TV Spielgerät bedarf der Genehmigung. Auch
jeder Bürger der DDR muß im Besitz einer Gewerbeerlaubnis sein, die vom zuständigen
Rat erteilt wird. Sie müssen auf der einen Seite die Genehmigung meines Amtes
haben und auf der anderen Seite die Gewerbeerlaubnis. Diese Erlaubnis ist
ganz speziell auf den Automaten und den Betreiber ausgestellt. Bei einer
Veräußerung muß eine neue Zulassung ausgeschrieben werden. Ob dies so bleiben
wird ist heute nur schwer zu beantworten. Bei Ihnen ist es ja so, daß eine
enge Zusammenarbeit mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt besteht,
in Teilbereichen auch mit dem Bundeskriminalamt. Wir arbeiten nur mit dem
erwähnten Hersteller der TV Spielgeräte zusammen. Schon von daher müssen
alle bei uns auf den Markt kommenden Geräte von uns geprüft werden. Gerade
Anfang Februar war in einer Mitteilung der Pressestelle des Ministeriums für
Kultur zu lesen, daß die bisherigen Zulassungsbestimmungen nach wie vor ihre
volle Rechtsgültigkeit haben. Dazu zählen bei TV Spielgeräten auch die
sachlichen Inhalte. Was bei Ihnen die ASK macht, habe ich bei uns zu prüfen. Heinz
Warneke: Lassen Sie mich zum Schluß noch zu einem anderen Thema kommen. Im
Augenblick bereiten wir gemeinsam die Ausstellung „Für'n Groschen Glück und
Seife - Alte Münzautomaten", im Friedrichstadtpalast vor. Dies ist eine
gemeinsame Ausstellung des Friedrichstadtpalastes, des Staatszirkus der DDR
und der IMS in Bonn. Freuen Sie sich auf diese Ausstellung? Dieter
Wulf: Ja, darauf freue ich mich sehr, zumal ich die Möglichkeit auf der IMA
in Frankfurt hatte, die Vielfalt des Angebots kennenzulernen. Außerdem habe
ich die Unterlagen zur Ausstellung im Deutschen Museum in München
begeistert aufgenommen. Aber auch meine Landsleute werden viel Spaß haben.
Diese Ausstellung braucht sich um ihre Besucher keine Sorgen zu machen. |
Joint Ventures
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Joint
Ventures mit DDR-Kollegen: Erster Schritt in den neuen Markt Der
deutsch-deutsche Brückenschlag geschieht in atemberaubendem Tempo. Auch für
die Unterhaltungsautomatenwirtschaft ergeben sich neue Chancen aus dieser
Entwicklung. Während der IMA '90 wurden zukunftsweisende Verbindungen geknüpft.
„Was soll ich jetzt machen?" Dieter Hedel, Automatenaufsteller aus der
DDR, will den Anschluß nicht verpassen. Bisher hat er mit seinen Spielhallen
auf Rädern von Volksfest zu Volksfest ziehen müssen. Jetzt will er seine
erste bodenständige Spielstätte einrichten. „Aber
mir fehlen doch alle Erfahrungen, die dafür nötig sind`, sagt Hedel. „Wie
soll ich da gegen Wettbewerber aus dem Westen bestehen können, die längst in
den Startlöchern stehen." Auch
andere Automatenaufsteller aus der DDR, die am IMA-Stand des „Automaten
Markt“ Rat suchten, äußerten sich ähnlich. Ihr Unbehagen spiegelt die
Situation in allen Bereichen der Wirtschaft wider. Ein Rückstand von
vierzig bis fünfzig Jahren muß schlagartig aufgeholt werden. Es
gibt 30 Automatenaufsteller in der DDR. Fast ausnahmslos üben sie das Gewerbe
als SchaustelleraufJahrmärkten aus. Ihr Gerätepark besteht überwiegend aus
Gebraucht-Flippern und -TV-Spielen. Zum Teil auch aus selbst
Zusammengebasteltem. Wenige
feste Aufstellplätze in Gaststätten oder Kulturhäusern werden von ganz alten
Aufstellern gehalten. Seit über 20 Jahren sind derartige Konzessionen nicht
mehr erteilt worden. Genehmigungsbehörde
ist der Staatszirkus der DDR. Dort leitet Dieter Wulf die Abteilung Spielerlaubniswesen.
„Im Spielerlaubniswesen der DDR bin ich
noch ein Einmannbetrieb“ Für
den Betrieb von Unterhaltungsautomaten ist in der DDR über die Gewerbeerlaubnis
hinaus eine Zulassung für jedes einzelne Gerät erforderlich. Sie wird auf die
Person des Betreibers ausgeschrieben. Wechselt das Gerät den Besitzer, ist
eine erneute Zulassung erforderlich. Zeitlich werden die Zulassungen in der
DDR nicht begrenzt. In
der Abteilung Spielerlaubniswesen des Staatszirkus' gibt es bisher nur eine
einzige Planstelle. Dieter Wulf: „Ich bin Abteilungsleiter, Putzfrau,
Sekretärin und Stenotypistin - alles in einer Person. Doch ich gehe davon
aus, daß sich das bald ändern wird. Eine Menge Arbeit kommt auf uns zu." Während
außenstehende Theoretiker aus großem Abstand noch im Zweifel sind, ob denn
Spielen für die Menschen in der DDR wirklich so vordringlich nötig ist, haben
die Betroffenen längst selbst entschieden. Als die Grenzen geöffnet wurden,
strömten sie in Scharen nicht nur in die prall gefüllten
Einzelhandelsgeschäfte, sondern auch in die farbenfrohen Spielstätten im
Westen. Zu
diesem Phänomen Ernst Elitz, Fernseh-Chefredakteur beim Südfunk: „Auch ein
Stück Lebensqualität, das die Menschen in ihrem grauen DDR-Alltag
jahrzehntelang entbehren mußten!" Roland
Weise, Beauftragter für Unterhaltungskunst beim Kultusministerium der DDR,
sieht für Spielautomaten in Deutschland-Ost eine goldene Zukunft: „Die Leute
sind hungrig auf alles, was aus dem Westen kommt und deswegen bisher bei uns
verpönt war." Der
demokratische Aufbruch in der DDR solle auch genutzt werden, um unnötige
Hemmnisse für eine freie Entfaltung der Unterhaltungsautomatenwirtschaft von
vornherein auszuschließen. Weise:
„In der Bundesrepublik wer den viel zu viele Bremsklötze in den Weg gelegt.
Übertriebene Beschränkungen in der Spielverordnung, im Baurecht und auch im
Jugendschutz. Das alles haben wir noch nicht in der DDR. Wir sollten die
Chance nutzen, von vornherein mehr Rücksicht auf die Praxis zu nehmen. Wir
wollen den freien Markt - auch für das Unterhaltungsgewerbe.
Kontaktstelle IMS: Friedrich K. Struckmeier,
Heinz Warneke (West) Dieter Wulf, Dieter Hegel, Günter Schnier
(Ost) |
Dazu gab‘s gleich böse Kommentare:
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Die
Flöhe von anderen Betten Wir
sollten uns schämen, hat ein aufgebrachter Leser uns angetragen. Es empört ihn,
daß wir im Zusammenhang mit der deutsch-deutschen Entwicklung neue Märkte
auch für das Münzspiel aufgezeigt und Partnerschaften für mögliche Joint
Ventures vermittelt haben (und es auch weiterhin tun werden). Die Menschen
in der DDR hätten so viel anderes nötiger. Da möge man sie doch mit dem Spielen
an Automaten verschonen. Also wirklich! Es
gehört wohl zum sogenannten Einigungsprozeß, daß sich im Westen die Köpfe der
Menschen im Osten zerbrochen werden. Ist ja auch billiger als tatkräftige Hilfe.
Vor allem brauchen sich die DDR-Bürger dann nicht umzugewöhnen. Über vierzig
Jahre lang ist für sie gedacht und ihnen vorgeschrieben worden, was sie zu
tun und zu lassen haben. Genau
davon haben sie jetzt die Schnauze gestrichen voll. Sie wollen selbst über
ihr Schicksal bestimmen. Erst recht über ihre Freizeitvergnügen. So wurde im
wahren Sinne der Worte Lenins mit den Füßen abgestimmt, als DDR-Deutsche bei
Öffnung der Grenzen in Scharen auch in Spielstätten geströmt sind.
Südfunk-Fernsehchef Ernst Elitz hat schon im „Automaten Markt“ ihre Motive
genannt: Die Menschen brauchen den bunten Glimmer, um das Grau-in-Grau ihres
Alltags im anderen Deutschland zu vergessen. Ein
anderer Leser hat den Rat gegeben, bei Ost-Partnerschaften äußerst wachsam zu
sein. Von den wenigen Unternehmern, die es dort noch gibt, nehmen es viele
mit den Gesetzen nicht so genau. Großenteils seien sie auch schon ganz
amtlich damit in Konflikt geraten. Typisch
für einen Angehörigen einer Branche, die sich bei der Einhaltung von Gesetzen
und Vorschriften äußerste Pingeligkeit auferlegt hat. Ist auch richtig so.
Denn wir leben ja in einem Rechtsstaat. Doch
gerade das ist der Unterschied zu den Kollegen in der DDR. Sie mußten in
einem System überleben, in dem niemand recht hatte, außer der Staatspartei.
So wurde es sogar in einer Hymne dokumentiert. Im
real existierender Snobismus (ich kriege das Wort Sozialismus in diesem
Zusammenhang nicht raus) hatte alles darauf angelegt, ihre kleinen
unternehmerischen Existenzen zu vernichten: Einkommensteuersätze von 89,9
Prozent und mehr. Oder Staatsbeteiligungen, bei denen Verluste allein zu
Lasten des Privatunternehmers gingen und Gewinne fast allein dem Staat
zugute kamen. Wer
würde wohl den Strick, der ihm um den Hals gelegt worden ist, selbst
zuziehen! Sich in totalitären Gesellschaften ans Gesetz zu halten, bedeutet
dem Unrecht die Maske der Rechtmäßgkeit aufzusetzen. Beispiel
aus unserer Branche: Es durften in die DDR nur Gebrauchtgeräte aus dem
Westen importiert werden. Ausschließlich mit Schenkungsurkunde, weil keine
Valuta dafür genehmigt wurde. So hat es Devisenvergehen am laufenden Band
gegeben. Schließlich mußten die „geschenkten" Geräte irgendwie bezahlt
werden - mit Westgeld. Nur
von dem Bett, in dem an gelegen hat, kennt man die Flöhe! Nach 42 Jahren
chemisch steriler Hygiene scheinen wir Bundesbürger vergessen zu haben,
womit unser Wirtschaftswunder damals angefangen hat. Mit einem Warenangebot
aus widerrechtlich gehorteten Lagerbeständen nämlich. Bis zur Währungsreform
hatte Zuchthaus darauf gestanden. Dazu
passen die Worte von Bert Brecht, in denen er das Fressen vor die Moral
gesetzt hat: „Erst muß es möglich sein auch armen Leuten, vom großen
Brotlaib sich ihrTeil zu schneiden." Wenn
einmal rechtsstaatliche Verhältnisse in der DDR herrschen, werden auch dort
Gesetzesverstöße unmoralisch sein. Doch das Recht setzt volle bürgerliche
Freiheit voraus. Und Freiheit gibt es nicht ohne Freiheit des Marktes. Der
freie Unternehmer muß sich frei entfalten können. Von der Freiheit in der
Freizeit gar nicht erst zu reden. Es
läßt sich von uns aus vieles dazu beitragen, daß unsere Berufskollegen in der
DDR diese Voraussetzungen erhalten. Mit unseren Erfahrungen können wir
ihnen nützen. Sie brauchen Know-how, Kapital, Marketing-Konzepte und vieles
mehr. Deshalb wird der »Automaten Markt« weiterhin aktiv dafür sein, daß
Marktchancen offenbart werden. Und daß Automatenunternehmer aus West und
Ost zueinanderfinden, um sie zu nutzen. |
Gauselmann engagiert sich
Mit grossem Aufwand engagierte sich
die Gauselmann AG.
|
Paul
Gauselmann: Für die DDR-Aufsteller werden wir alles tun, was
nur vertretbar ist Westfalen,
und gleichzeitig Vizepräsident der ZOA. Doch durch seine intensive Arbeit in
der Industrie sei es ihm nicht möglich gewesen, im Aufstellbereich diese
Interessen weiterhin allein zu vertreten.
Im
Mittelpunkt stand ein Vortrag von Paul Gauselmann, der den Aufstellen durch
zahlreiche Beispiele Mut machte, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
Paul Gauselmann begrüßte es sehr, daß es seinen Mitarbeitern gelungen ist,
einen solch großen Kreis von „zukünftigen Kunden" aus dem Bereich der
DDR nach Lübbecke zu holen. „Ich habe dies von Anfang an unterstützt und wir
haben gewußt, irgendwann muß etwas geschehen, denn wir stellen seit vier
Jahren auf der Leipziger Messe aus, um die Kontakte zu der Aufstellerschaft
zu halten." Paul
Gauselmann verdeutlichte den Besuchern, daß auch er einmal, nämlich 1957,
als Aufsteller angefangen hat. Er gab einen kurzen Abriß über die Unternehmensgruppe
Gauselmann, „damit Sie sehen, mit welchem Unternehmen Sie in der Zukunft
eine Partnerschaft mit entsprechendem Vertrauen eingehen können." Gauselmann
führte Vorzüge ins Feld, die in der besonderen Struktur seiner
Unternehmensgruppe liegen. „Wir sind ein Familienunternehmen. Kein
amerikanischer Konzern, wo irgendwelche Aktionäre morgen etwas anderes
bestimmen können. Ich meine, wenn der Unternehmer selber mit eigenem Risiko
der Entscheidende ist, dann drückt irgendwelche politische Entscheidung, eine
Entscheidung hin zum Kunden, viel mehr auf den Nerv, als wenn man
Angestellter für fremde Aktionäre ist. Natürlich kommen auch hervorragende
Leistungen aus Aktiengesellschaften. Nur ist es zum Beispiel in einer Streß-
Situation ein riesiger Unterschied, ob es nun um den eigenen Geldbeutel oder
um das Geld der anderen geht." Es
müsse mit allen Mitteln vermieden werden, daß das Negativ-Image betreffend
der sogenannten Spielsucht, der angeblichen Spielhallenflut oder der gern
zitierten Killerautomaten, das bereits bei der Ausstellung in Leipzig zu
spüren war, nicht weitere Ausmaße findet. Denn sonst würden neun Jahre
Aufklärungsarbeit, die in der Bundesrepublik geleistet worden sind, zunichte
gemacht. Im
Rückblick auf seinen Werdegang in der Automatenbranche wies Paul Gauselmann
unter anderem darauf hin, daß Finanzierung und Bevorschussung auch damals
bei seinem Start der Anfang eines Unternehmertums waren. „Das wird bei Ihnen
genauso kommen." 1965
ist Paul Gauselmann in die Verbandsarbeit eingestiegen, war von 1970 bis
1974 Vorsitzender des größten Aufsteller-Verbandes. nämlich Nordrhein. Der
Redner blickte zurück: „1953
kam das Geldspielgerät per Gesetz wieder auf den Markt, und es folgte ein
Auswuchs der Gestalt, daß in den Spielstätten der Städte jede Menge Ge räte
an der Wand hingen. Sie wurden als 'Lohntütenschlucker' betitelt. Die
Kampagne war heftig, stark und kurz und es ging damals genauso wie heute bis
in den Bundestag hinein. Die Bran. che, unser Geldspielgerät, stand auf der
Kippe. Die seinerzeit Verantwortlichen haben sich dann entschlossen, pro
Spielraum nur noch zwei Geräte zuzulassen.
Ich
habe dann die Idee kreiert, die auch juristisch durchgefochten wurde, daß man
aus einem Raum auch mehrere Räume machen kann. Wir haben schnell erkannt,
daß gegen geldschneiderische Auswüchse etwas getan werden muß. Es war zu
spüren, wer nur das schnelle Geld verdienen will, kriegt fürchterlichen
Ärger. Man muß auch etwas für die allgemeine Unterhaltung ohne Geldgewinn
tun. Daraufhin
haben wir in den Spielotheken von vornherein versucht, neben den
Geldspielgeräten eine Fläche von durchschnittlich 80 Prozent mit Unterhaltungsgeräten
auszustatten." Paul
Gauselmann versprach mit der Einführung der D-Mark in der DDR ab 2. Juli
alles mitzumachen, was irgendwie kaufmännisch vertretbar ist. „Für
uns als Unternehmer ist die DDR eine hervorragende Möglichkeit des
zusätzlichen Wachstums in den nächsten zehn Jahren. Und daß wir die DDR nicht
anders behandeln als Westdeutschland ist eine Selbstverständlichkeit. Es
wird alles getan, was nur möglich ist. Die bisherige Zurückhaltung hat nur
an der Ungewißheit der Währung gelegen." Paul
Gauselmann versicherte den DDR-Gästen, daß es sich dabei um ein wunderbares,
sauberes, solides und dauerhaftes Geschäft handele. Allerdings müsse dieses
Geschäft intensiv gepflegt werden. „Sie
können damit rechnen, daß das Recht, auf das wir unser Geschäft aufbauen, sei
es im Spielstättenbereich oder bei Geräten mit Geldgewinn, kurzfristig in
gleicher Form auch für die DDR gelten wird. Wirwerden
natürlich die Anfangshilfe leisten, die notwendig ist, um Unternehmen in
der DDR aufzubauen. Wir werden für Sie in keiner Form Konkurrenz am
Aufstellplatz 'Gaststätte' sein. Wir werden aber mit Sicherheit mit Muster-Spielotheken
und einigem mehr versuchen, in der DDR ebenso wie in der Bundesrepublik
Beispiele zu setzen." Paul
Gauselmann ließ keinen Zweifel daran, wie er die Zusammenarbeit zwischen
einem Hersteller mit guten Produkten und einem großen Kreis von Kunden sieht. „Wir
sind einfach gehalten, möglichst immer das Beste noch besser zu machen. Wenn
uns das im Wettbewerb gelingt, dann spricht das auch für unseren Einsatz." Anschließend
hatten die Gäste Gelegenheit, Fragen an Paul Gauselmann zu richten, der
bereitwillig Auskunft über die verschiedensten Themenbereiche gab. Für ihre
künftige Arbeit gab er den Aufstellern mit auf den Weg, nicht so viel zu
diskutieren, sondern zu handeln. „Die, die gehandelt und weniger geredet
haben, die haben auch die Geschäfte gemacht. Ich rate Ihnen, gucken Sie
nicht wie das Kaninchen auf die Schlange, sondern machen Sie das Beste aus
Ihrer Situation. Die freie Marktwirtschaft ist eine gewisse Ellbogengesellschaft.
Sie werden nur durchkommen, wenn Sie Ihren eigenen Weg machen."
Die
künftigen Kollegen aus der DDR auch einmal hinter die Kulissen der
westdeutschen Automatenindustrie schauen zu lassen, war ein wesentlicher
Aspekt der Gauselmann-Unternehmensgruppe, 82 DDR-Aufsteller drei Tage auf
Kosten des Unternehmens nach Lübbecke und Espelkamp einzuladen. Dabei
hatten die Gäste aus der DDR Gelegenheit, den Produktions- und
Verwaltungsablauf des größten Automatenherstellers Europas kennenzulernen.
Wie sich einer der DDR-Gäste äußerte, fuhren sie auch mit der Erkenntnis
nach Hause: „Paul
Gauselmann ist keineswegs ein anonymer Gigant, sondern ein Mann 'zum
Anfassen', der für unsere Probleme stets ein offenes Ohr hat und uns mit Rat
und Tat zur Seite steht." Wie
es zu den Kontakten mit den DDR-Aufstellern gekommen ist und welche Ziele die
Unternehmensgruppe Gauselmann in der DDR künftig verfolgen wird, erläuterte
Peter Wimmer gegenüber dem Automaten Markt. „Die
ersten Gespräche mit dem Verbandsvorsitzenden der freien Unternehmer der
DDR haben wir bereits im Januar geführt. Dabei hat die Unternehmensgruppe
Gauselmann schon ihr Interesse, in der DDR aktiv zu werden, bekundet. Danach
suchten wir geeignete Räumlichkeiten für eine Niederlassung. In Halle machte
uns der 'Runde Tisch' der Kommune den ersten Strich durch die Rechnung. Ich
frischte eine alte Bekanntschaft in Leipzig wieder auf und so erhielten wir
dort in der Stadtmitte in einem verfallenen Haus eine Fläche von 250
Quadratmetern. Nach
umfangreichen Renovierungsarbeiten jedoch wurde auch diese Niederlassung
erneut vom 'Runden Tisch' geschlossen, so daß wir zur Zeit in einem
Ausweichquartier arbeiten. Durch
die Wahlen in der DDR versprechen wir uns nun eine Besserung dieser
mißlichen Situation, denn es warten umfangreiche Aufgaben auf uns. Neben
einem Niederlassungsleiter, zwei Verkäufern und Technikern, die wir bereits
eingestellt haben, suchen wir natürlich noch weitere Arbeitskräfte, die von
uns ausgebildet werden. Weitere
Aktivitäten, zum Beispiel eintägige Schulungen in Leipzig und Ost Berlin,
sollen den Aufstellern bei ihren technischen Problemen weiterhelfen. Damit
auch die räumliche Abdeckung gewährleistet ist, werden wir zusätzliche
Niederlassungen in Erfurt, Dresden und Rostock einrichten. Auch eine
Zentralwerkstatt ist bereits vorgesehen. Nicht zuletzt wird die DDR auch
nach geeigneten Produktionsmöglichkeiten durchleuchtet." |
Journalisten waren nicht ganz so pflegeleicht. Klar,
wenn man 40 Jahre lammfromm sein musste, wollte man jetzt auch mal etwas
Renitenz zeigen.
|
DDR-Journalisten
bei adp in Lübbecke „Wir möchten erst mal sehen, über was hier mit uns
geredet wird" Journalisten
bedeutender DDR Redaktionen konnten jetzt auf Einladung der Unternehmensgruppe
Gauselmann Eindrücke über das Münzspiel sammeln. Es
war eine aufgeschlossene Gruppe, die sich zu einem Besuch bei der adp
Fertigung in Lübbecke einfand. Der erste Wunsch nach dem Eintreffen: Wir
möchten eine Spielothek sehen. Kein Problem. Die Pressebetreuer von adp
machten sofort einen Besuch in einer Spielstätte in der Nähe möglich. „Damit
wir wissen, über was hier geredet wird", so Simone Schulz-Simmank von
der Volksstimme Magdeburg.
Deswegen
brachte der Besuch in der Spielothek auch eine gewisse „Ernüchterung":
Es gab keine spektakulären Abenteuer zu bestehen. Die Spielstätte mit ihrer
freundlichen Atmosphäre vermittelte Erlebnis und Unterhaltung. Ein
Aha-Erlebnis sozusagen. „Ist ja gar keine Spielhölle`; meinte denn auch ein
Reporter aus Ost-Berlin. Enttäuschung? „Natürlich
nicht. Aber wir kennen diese Möglichkeit der Freizeitgestaltung bisher nicht
und haben nur einen Eindruck durch die Berichterstattung unserer bundesrepublikanischen
Kollegen bekommen. Danach hätte es sich ja beim Automatenspiel fast um eine
direkte Entwicklung des Teufels handeln müssen. Okay, es gab auf Rummelplätzen
immer wieder die Möglichkeit, an einem Gerät mit Münzeinwurf zu spielen.
Aber das war ja doch etwas anderes." Ein
Diavortrag von Exportleiter Schwerbrock brachte weiteres Licht ins Dunkel.
Ein Blick in die Historie, der aktuelle Stand, Fertigungsabläufe, zukünftige
Aussichten, eine Führung durch die Produktion - kleine Steinchen formten
sich zu einem Mosaik. Aber
es mußte noch unvollständig bleiben. Jetzt tauchten nämlich Fragen auf, die
für seinen Bereich Dr. Klaus Willmann, im Vorstand der Gauselmann-Gruppe für
die Technik zuständig, ausführlich beantworten konnte, Da ging es dann um
die Größe der Produktionsfläche, Anzahl der Geräte, Herstellungskosten,
Produktpalette, Mitbewerber, Manipulationsmöglichkeiten und den Exportanteil
der Unternehmensgruppe. Oder
um die Pläne mit dem zukünftigen Geschäft in der DDR. Dr. Klaus Willmann:
„Seit einigen Monaten stellen Automatenkaufleute elektronische Spielgeräte
auch in der DDR auf. Die Branche ist sich darüber einig, daß nur hohe
Qualitätsstandards, wie sie der. zeit in der Bundesrepublik bestehen,
langfristig eine Chance auf dem Markt haben. Entscheidend ist, daß die
strenge Spielverordnung, die bei uns gilt, in den wesentlichen Punkten in der
DDR übernommen wird. Damit sind Aus wüchse im Spielstättenbereich
ausgeschlossen."
Die
Unternehmensgruppe will nach den Worten von Paul Gauselmann ihren Teil zur
wirtschaftlichen Entwicklung beitragen und hat sich auf den hohen
Finanzierungsbedarf der Jungunternehmer in der DDR eingestellt Paul
Gauselmann: „Diesen Existenzgründern fehlt das Kapital. Deswegen bieten wir
unsere Geräte momentan zur Miete, zum Leasing oder auf Wechsel ohne Anzahlung
an." Der
Unternehmer weiter: „Auch ich habe mich als junger Mensch selbständig gemacht
und kenne noch die Ängste und Sorgen, die man mit diesem Schritt plötzlich
hat. Ich kann aber auch von den Erfolgserlebnissen berichten, die einem in
dieser Funktion begegnen; Es gibt verschiedene Kriterien, die diesen Erfolg
bestimmen. Dazu gehören der Blick auf die wesentlichen Punkte, daß Abarbeiten
einmal gesetzter Aufgaben und letztendlich auch ein bißchen Startkapital.
Hier setzt unsere Unterstützung ein." Tilo
Winkler von der Lausitzer Rundschau wollte wissen, was man als Unternehmer
denn fühlt, wenn ein Mitbewerber auf der Strecke bleibt? Paul Gauselmann:
„Ich will sie nicht erschrecken, aber ich habe kein Mitleid. Das ist die
Evolution des Erfolgs in der freien Marktwirtschaft. Sie werden das auch noch
lernen. Wobei das nichts mit einer fehlenden sozialen Verantwortung zu tun
hat, denn ich kann dabei sehr wohl ein Mitgefühl für die betroffenen
Arbeitnehmer haben." Momentan
gibt es in der DDR weder eine positive noch negative Einstellung zum
Automatenspiel. Eine beginnende Meinungsbildung ist ausschließlich auf
West-Medien zurückzuführen. Die Frage nach einer möglichen Spielsucht kam
entsprechend unreflektiert auf den Tisch. „Sehen
sie`, so Paul Gauselmann, „es gibt sicherlich Problemspieler, aber es gibt
keine stofflose Sucht. Man kann eine Spielsucht nur in einem Atem mit
ähnlichen 'Süchten' wie Eifersucht oder Geltungssucht erwähnen. Das Spiel an
sich hat eine lange Tradition und ich persönlich habe das Spiel in den
Bombennächten des zweiten Weltkrieges kennengelernt. Und es bedeutet mir
heute noch etwas. Sie sehen das daran, daß die Spielideen unseres Unternehmens
zu einem großen Teil immer noch von mir kommen." Ein
abschließender Besuch der Ausstellung „Für'n Groschen Glück und Seife"
im Ost-Berliner Friedrichstadtpalast brachte den Journalisten aus der DDR
weitere Eindrücke in einen Zweig der Unterhaltungsgastronomie, der in der
Vergangenheit von den Medien im Westen teilweise mit harten Worten
angegriffen worden ist. Bleibt die Frage, wie sich die öffentliche Meinung
in einem ungeteilten Deutschland entwickeln kann. |
Erfolge
Die Aktionen der Hersteller hatten
Erfolg. Der Absatz gen Osten brummte.
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Automaten
in der DDR Die Öffnung der Grenzen schützte vorm Sommerloch
Ganze
32 Automatenunternehmer hatten bis zur Mauer-Öffnung die kommunistische
Chaos-Wirtschaft überlebt. Inzwischen sind über 400 Neugründungen von
Automatenunternehmen erfolgt. Das hat zu einer konzentrierten Nachfrage nach
Geräten geführt. Selbst
wenn der Abriß der deutsch-deutschen Grenze völlig überraschend kam, traf
er die bundesdeutsche Unterhaltungsautomatenwirtschaft nicht unvorbereitet.
Die Gauselmann-Gruppe hatte schon seit langem mindestens einmal jährlich auf
der Leipziger Messe ausgestellt. Daraus waren bereits enge Kooperationen mit
DDR-Firmen hervorgegangen. Mit der Errichtung einer Niederlassung in Leipzig
war der Gauselmann-Großhandel nach der Öffnung als erster vor Ort. Bally
Wulff und NSM/Löwen hatten alte Verbindungen in die DDR niemals abreißen
lassen. Für Geräte, die vordem Mauerbau 1961 geliefert worden waren, lief die
Zulassung in der DDR niemals ab. So wurden ständig Ersatzteile gebraucht, um
sie einsatzfähig zu halten. An
diese Geschäftsverbindungen konnten diese Firmen nahtlos anschließen. Auch
sie betreiben inzwischen eigene Großhandels-Niederlassungen in
verschiedenen DDR Städten. Ebenso hat Bergmann den Aufbau eines
flächendeckenden Niederlassungs- und Service-Netzes schon weit
vorangetrieben. Als erster nicht vertriebsgruppengebundenes
Fachgroßhandelsunternehmen hat Rhenania mit einer Niederlassung auf
DDR-Gebiet Fuß gefaßt. Die
Gründung vieler mittelständischer Existenzen entscheidet über die Zukunft
der Menschen in der ehemaligen DDR, die ab 3. Oktober Bundesbürger sind.
Dafür wird Erfahrung aus dem Westen ebenso gebraucht wie finanzielle
Unterstützung. Die Unternehmen der Unterhaltungsautomatenwirtschaft haben
Förderungs-Systeme für diesen Existenz-Aufbau entwickelt, mit denen sie in
Wettbewerb treten. Die neuen Automatenunternehmer in der früheren DDR sind
umworbene Geschäftspartner. |
DDR-Spiel(ver)ordnung
Eine Merkwürdigkeit war die Schaffung
einer eigenen DDR-Spiel(ver)ordnung in der Zeit vor dem Anschluss der Neuen
Bundesländer an die Bundesrepublik Deutschland. Man war noch ein eigener Staat
mit einer Gesetzeskraft. Die oben beschriebenen Mißstände, bei denen westliche
Aufsteller den Glücksspiel-betreffenden rechtsfreien Raum derart schamlos
ausnutzten, erzeugte solch einen Druck auf die Ordnungsbehörden, dass für drei
Wochen eine eigene DDR-Spielordnung geschaffen wurde. Die bis auf kleine
Details der westdeutschen Regelung entsprach. Diese neue Ordnung war die
Grundlage für Bally Wulff, den „Bally Number One“ in aller Eile zu veröffentlichen,
ein Gerät nach den Regeln der kurzlebigen DDR-Spielordnung. Siehe die
Prototypen-Gerätevorstellung für Vereinsmitglieder.
Eine überrascht klingende Eilmeldung des
Münzautomaten:
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DDR-Spielanordnung in Kraft Am frühen Nachmittag des 7.
September klingelte in der Redaktion das Telefon. Am anderen Ende der
Leitung: Dr. Bornecke, der Geschäftsführer des VDAI. Er wußte, daß wir gerade
im Seiten-Layout steckten und da immer noch Platz für eine eilige Meldung
„freischlagen" können.,,Sie ist in Kraft", sagte er nur kurz, und
wir wußten, was gemeint war. Um die DDR-Spielanordnung hatte es nämlich
einige Aufregung gegeben. Da wurde behauptet, sie sei schon in Kraft, andere
verneinten das, und wiederum andere behaupteten, sie würde niemehr in
Kraft treten, weil der 3. Oktober so nah sei. Jetzt ist sie da - entscheidend
ist der Tag der Veröffentlichung-, und wenn Sie dies lesen, gilt sie vielleicht
noch für drei ganze Wochen. |
Ein bissiger Kommentar
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Spielanordnung der DDR Was soll das? Die Frage nach dem Sinn und
Zweck mancher staatlicher Maßnahmen in der DDR ist mehr als berechtigt.
Vieles ist in den letzten Wochen und Monaten aufgedeckt worden, was einen nur
den Kopf schütteln läßt. Ebenso groß wie die Verwirrung der Taten, ist die
Verwirrung der Begriffe. So manches versteht man auch in der neuen
Spielanordnung der DDR nicht. Dies beginnt schon mit dem Begriff Anordnung.
Es lohnt sich nicht lange zu diskutieren, doch offensichtlich sind Politik
und Verwaltung noch sehr stark vom anordnenden Geist bestimmt. Verwirrend waren auch die
Umstände um den Zeitpunkt der Gültigkeit. Das Gesetzblatt selbst trägt die Aufschrift
„Ausgabetag: 4. September", und trotzdem war die Anordnung an diesem Tag
noch nicht rechtskräftig, weil sie nicht tatsächlich ausgeliefert wurde.
Verwirrung aller Orten. Bally Wulff hatte schon gemeldet, daß die Anordnung
in Kraft sei und ab dem 4. September Geräte mit ASMW-Zulassung (ähnlich PTB)
für die DDR angekündigt. Mitbewerber, Journalisten und Verwaltungsleute
waren teilweise ratlos, suchten in eigenen Nachlässigkeiten und fragten sich,
ob da Termine übersehen wurden, ob eigene Quellen „drüben" nicht das
Schwarze unter dem Nagel wert sind.
Der VDAI stellte dann klar,
was Sache war: Die Anordnung war noch nicht gültig. Manch einer hatte sogar
Informationen, daß die Anordnung nie mehr gültig werden würde. Man stufte
es unter die Kategorie „Blödsinn" ein, extra für ein paar Wochen ein
neues Recht zu schaffen. Bis die Regelungen allgemein bekannt, beachtet und
wirklich angewendet werden würden, seien sie schon wieder ungültig, hieß es
da. Wobei dies nicht ganz stimmt, denn die Anordnung ist weitgehend
deckungsgleich mit der bundesdeutschen Spielverordnung. Am 3. Oktober kommt
also nicht schon wieder ein völlig neues Recht über die Aufstellunternehmer
in der DDR, sondern nur ein Recht mit ein paar recht unbedeutenden Abwandlungen.
Auf jeden Fall hatte Bally Wulff dann am Freitag, den 7. September, mittags
um 14.30 Uhr weitgehend Recht behalten. Man hatte sich weit aus dem Fenster
gelehnt und Glück gehabt. Verwirrend ist in der
DDR-Anordnung auch die Regelung über die Grundsätze zur Aufstellung von
Spielgeräten und Veranstaltung von anderen Spielen (§ 6). Da scheinen die
Begriffe „Eigentümer" und „Besitzer" (ist auch Pächter)
durcheinander geraten zu sein. Versteht man die Anordnung in diesem Punkt
ganz wortgetreu, dann muß der Eigentümer einer Gaststätte in die Aufstellung
von Spielgeräten einwilligen. Diese Regelung könnte für den Fall erdacht
sein, damit die Betreiber von staatlichen Gaststätten nicht Gelder kassieren,
ohne sie an den staatlichen Inhaber abzuführen. Nach unserem Verständnis kann
es nicht sein, daß ein Eigentümer eines Hausobjektes in die Aufstellung von
Spielgeräten einwilligen muß, wenn er eine Gaststätte als Pachtobjekt ganz
vergeben hat. Im Verhältnis zwischen Eigentümer und Pächter kann dies zwar
vertraglich geregelt werden, es hat aber nichts in einer Spielver(an)ordnung
zu suchen. Die DDR-Spielanordnung
regelt auch die Aufstelldauer. Was der Aufstellerverband „Ost"
durchsetzen wollte, nämlich die unbegrenzte Aufstellung von Spielgeräten, ist
nicht Anordnungstext geworden. In § 14 Abs. 2 ist die Befristung auch für
die DDR eindeutig auf 4 Jahre festgelegt. Dies gilt auch in der
Bundesrepublik, ist aber an anderer Stelle geregelt. Abweichend von der
Spielverordnung hierzulande kündigt in § 17 die DDR Anordnung harte
Zwangsgelder in Höhe von 50 000 Mark an, wenn der Leiter des Gewerbeamtes
dies zur Durchsetzung von Auflagen für nötig empfindet. Es kann also richtig
teuer werden, wenn unbelehrbare Geister meinen, sie könnten jetzt
„drüben" immer noch „Wildwest" spielen. Jeder sollte sich auch
darüber klar sein, daß Fehlverhalten in der DDR dazu führt, daß er dort für
immer keine Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes erhält und sie sogar hier
verlieren kann, wenn seine Zuverlässigkeit in Frage gestellt ist. Ein hoher
Preis für ein bißchen Abenteuer. § 18 regelt dann noch die
Fälle, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. In der quasi
„rechtsfreien" Zeit, in der viele nicht genau wußten, wer zuständig
ist, ist halt auch viel „wild" aufgestellt worden. Da wurden Genehmigungen
von fast jedem erteilt, der sich in der Nutzung eines Stempels auskannte.
Obwohl eigentlich nur der Staatszirkus zuständig war, hat jeder kleine
Bürgermeister sich für zuständig erklärt. Natürlich sind auch Geräte dabei,
deren Zulassung inzwischen abgelaufen ist. Verständlich, daß man nicht teuere
Spielgeräte dort einsetzt, wo es allenfalls gilt, den Platz zu sichern, die
Einnahmen aber noch gering sind. Nun regelt die Spielanordnung, daß diese
Geräte, die nicht den Erfordernissen des § 14 entsprechen (wie unsere
Spielverordnung), dürfen bis zum 31. Dezember 1991 in der Aufstellung
bleiben. Da freut sich manch einer. Doch wie so oft vielleicht zu früh. In der
Anordnung steht nämlich das Erfordernis „wenn sie vor in Kraft treten dieser
Anordnung zulässigerweise aufgestellt worden sind". Hierunter ist halt
nicht die Zulassung durch den Rat des Kreises oder der Stadt gemeint, sondern
nur durch den Staatszirkus. Alle Geräte, die diese Zulassung haben, sonst
aber nicht den Erfordernissen des § 14 entsprechen, dürfen noch mit dieser
Frist aufgestellt werden. Die Regelung des § 18 der
DDR Spielanordnung wird durch das Einigungsvertragsgesetz übernommen und
hat damit über den 3. Oktober hinaus Gültigkeit. Aus vielen ersichtlichen
Gründen ist es also doch schon wichtig, daß die DDR-Anordnung noch in Kraft
getreten ist und nicht ein weiterer Monat der Rechtsunsicherheit ins Land
geht. Für die Automatenwirtschaft, wie für alle anderen Branchen, war die
Zeit der Rechtsunsicherheit schon zu lange. Solche Zeiten werden regelmäßig
auch von den berühmten schwarzen Schafen jeder Branche genutzt. Da versuchen
sie, ihr Süppchen zu kochen. Was sie damit dem Ruf eines ganzen Gewerbes
antun, das läßt sie völlig kalt. „Kommen, kassieren, abhauen", heißt die
Parole. Auf solche Leute kann man getrost verzichten. Der
Automatenwirtschaft wird es gut tun, wenn geregelte Zeiten einkehren. Dies
wünschen sich schon lange diejenigen, die in der DDR seriöse
zukunftsorientierte Geschäfte aufbauen wollen. Den größten Vorteil wird dies
den DDR-Aufstellern bringen, die sich bisher oft an die Wand gespielt sahen. |
Fortsetzung folgt…